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Thüringer Erfindergeist auf Platz zwei –
Ilmenau zeigt, wie Innovation geht
Von außen wirkt Ilmenau oft wie ein ruhiger Hochschulstandort im Grünen. Ein Blick in die Forschungsaktivitäten der Technischen Universität zeigt jedoch eine hohe Dynamik: Die TU Ilmenau gehört zu den patentstärksten Hochschulen in Deutschland.
Das belegt eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Im Fünfjahresdurchschnitt belegt die TU Ilmenau bundesweit den zweiten Platz bei Patentanmeldungen. Mit durchschnittlich 18 Anmeldungen pro 1.000 Studierende und Jahr liegt sie deutlich über vielen anderen Hochschulen. Spitzenreiter ist die TU Bergakademie Freiberg.
Foto: Michael Reichel
Thüringen im Bundesvergleich überdurchschnittlich
Auch im Ländervergleich erreichen Thüringer Hochschulen eine hohe Patentaktivität. Mit 4,7 Patenten pro 1.000 Studierende liegt Thüringen auf Platz zwei hinter Sachsen. Der Bundesdurchschnitt beträgt zwei Patente pro 1.000 Studierende.
Das Institut der deutschen Wirtschaft hebt hervor, dass Patentanmeldungen eine zentrale Kenngröße zur Bewertung der Innovationsleistung von Hochschulen darstellen.
Patente als Ergebnis eines Forschungssystems
An der TU Ilmenau entsteht ein großer Teil der Patente im Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu zählen Grundlagenforschung, wissenschaftliche Infrastruktur sowie anwendungsorientierte Forschung mit Verbindungen zur Wirtschaft. Wie Professor Stefan Sinzinger, Vizepräsident für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, betont, ist diese Kombination eine Grundlage für die Forschungs- und Innovationsaktivität der Universität.
Ein wesentlicher Teil der Patente im Hochschulbereich entsteht in Zusammenarbeit mit Partnern. Nach IW-Angaben werden rund 29 Prozent der Patente mit Hochschulbeteiligung gemeinsam mit weiteren Akteuren angemeldet.
In mehr als der Hälfte dieser Fälle sind auch Unternehmen beteiligt. Für Unternehmen ergibt sich daraus die Möglichkeit, an gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten mitzuwirken oder sich an Patentanmeldungen zu beteiligen.
Unterstützung durch das Landespatentzentrum PATON
Zur Patenttätigkeit trägt auch das Landespatentzentrum Thüringen (PATON) auf dem Campus der TU Ilmenau bei. Die Einrichtung unterstützt wissenschaftliche Einrichtungen bei Fragen des gewerblichen Rechtsschutzes, bewertet Forschungsergebnisse hinsichtlich ihrer Verwertbarkeit und begleitet deren Schutz sowie den Transfer in die Anwendung.
Beispiele für Entwicklungen mit industriellem Bezug
Auf der Hannover Messe präsentierte die TU Ilmenau mehrere Entwicklungen, die auf Patenten basieren oder patentiert sind. Dazu gehören:
- ein Verfahren zur automatisierten Montage von Rotorblättern für Windenergieanlagen, das gegenüber manuellen Verfahren präzisere und effizientere Abläufe ermöglicht,
- ein gemeinsam mit SUITX by Ottobock entwickeltes Exoskelett zum Heben und Transportieren schwerer Lasten,
- sowie eine werkstoffwissenschaftliche Entwicklung („Volume-Control“) zur Reduzierung von Schrumpfungseffekten bei Kunststoffen.
Die Messe gilt als zentrale Plattform für Technologien der industriellen Transformation, auf der sich Unternehmen und Forschungseinrichtungen präsentieren.
Zusammenarbeit auch über An-Institute
Zur Forschungsstruktur der TU Ilmenau gehören auch mehrere An-Institute, die an Projekten und Patentanmeldungen beteiligt sind. Dazu zählt unter anderem das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK) in Rudolstadt. Diese Einrichtungen arbeiten anwendungsnah und kooperieren mit Unternehmen in Forschungs- und Entwicklungsprojekten. (tl)
