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Photonen-Computertomographie in der Zentralklinik

Innovation in Bad Berka

Auch die Medizin hat in den vergangenen Jahrzehnten enorm von der technischen Entwicklung profitiert. Diagnostik und Therapie wurden durch Innovationen immer präziser und individuell abgestimmter.

CT

Foto: ZBB

Die Zentralklinik hat ein Photonen-CT in Betrieb genommen. Als einzige Klinik in Thüringen und als eine der wenigen Kliniken in ganz Deutschland bietet sie künftig noch genauere Diagnostik und damit die Voraussetzung für maßgeschneiderte Therapien für Patienten des Herzzentrums, des Lungenzentrums und des Adipositaszentrums. Etwa 3,2 Millionen Euro investierte die Klinik in das photonenzählende CT, einschließlich Umbauten.

Photonenzählende Detektoren erzeugen präzise Informationen und ermöglichen, dass manch invasive Untersuchung eingespart werden kann – für Patienten eine gute Nachricht. Das neue Photonen-CT kann Röntgenphotonen direkt in elektrische Signale umwandeln, ohne den Zwischenschritt über die Umwandlung in Lichtsignale. Die mit Hilfe photonenzählender Detektoren erzeugten klinischen Bilder weisen eine sehr hohe Auflösung ohne elektronisches Rauschen sowie einen verbesserten Kontrast im Vergleich zu Bildern aus herkömmlichen Computertomografen (CT) auf und liefern intrinsische Spektralinformationen. Zugleich kann bei dieser Art der Diagnostik – im Vergleich zu herkömmlichen CT-Untersuchungen – die Strahlenbelastung für den Patienten reduziert werden.

Innovationsstolz

„Damit hat die Zentralklinik Bad Berka ein überregionales Alleinstellungsmerkmal. Darauf bin ich sehr stolz. Investitionen in Innovationen sind schon immer in der DNA der Klinik angelegt. Ein großer Vorteil ist auch, dass dieses neue Angebot ebenso stationär als auch prästationär angeboten werden kann“, erklärt Zentralklinik-Geschäftsführer Mario Schulter.

Für die Patienten des Herzzentrums ergeben sich im Vergleich zum herkömmlichen CT viele Vorteile: „Durch die sehr hohe räumliche und zeitliche Auflösung können Plaquebildungen, Verkalkungen und gegebenenfalls implantierte Stents sicher voneinander unterschieden werden. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, bei jedem Patienten eine nichtinvasive Koronarangiografie durchführen zu können, unabhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen. Das bedeutet: Rein diagnostische Katheteruntersuchungen entfallen damit“, erklärt Prof. Harald Lapp, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin des Herzzentrums. Dies bedeute eine deutliche Erweiterung des diagnostischen Spektrums in der Herzmedizin eines großen Herzzentrums. Die engere Verknüpfung von Kompetenzen aus Radiologie und Kardiologie erspare den Patienten unnötige Eingriffe und es gäbe mehr Kapazitäten für Therapien. „Ich bin sehr froh, dass wir mit dem Photonen-CT als Klinik ganz vorn in Europa dabei sind“.

Drei Fragen an PD Dr. med. Birger Mensel, Chefarzt Radiologie, Zentrum für diagnostische / interventionelle Radiologie und Neuroradiologie

Was kann das Photonen-CT?

„Mit dem neuen Gerät werden natürlich alle Untersuchungen möglich sein, die wir jetzt ohnehin schon anbieten. Alle Untersuchungen werden jedoch einen deutlichen Qualitätssprung hinsichtlich der Abbildungseigenschaften wie Auflösung und Kontrast der erstellten Bildserien aufzeigen und so eine noch präzisere Diagnostik ermöglichen.

Wir können mit dieser Technologie nun auch sehr kleine und mit herkömmlicher CT-Technik nur schwer bis gar nicht erkennbare Veränderungen darstellen. So sind bösartige Weichteiltumore oder Knochenveränderungen frühzeitiger erkennbar. Auch sehr diskrete Veränderungen im Lungengewebe, welche in Frühformen sogenannter Lungenfibrosen vorkommen, sind deutlich besser erfassbar und beurteilbar. Verkalkungen in den Arterien im gesamten Körperbereich sind gerade bei älteren Menschen häufig anzutreffen.

CT 2

PD Dr. med. Birger Mensel, Chefarzt Radiologie​ | Foto: ZBB / Delf Zeh

Diese Verkalkungen können zu einer Einengung des Gefäßes führen und so die Entstehung eines Schlaganfalls, Herzinfarktes oder die Entwicklung einer oft schlecht heilenden Wunde am Fuß herbeiführen oder begünstigen. Unser neuer CT kann diese Veränderungen noch genauer erfassen und helfen, die richtigen therapeutischen Entscheidungen zu treffen.“

Welche Vorteile gibt es für die Patienten?

Neben den verbesserten Bildeigenschaften und daraus folgender frühzeitiger Diagnose von Erkrankungen profitieren unsere Patienten von einer gleichzeitig reduzierten Strahlendosis, weil die eingesetzte Strahlung effizienter zur Bildentstehung genutzt wird. Dies hat insbesondere Vorteile in Vorsorgeprogrammen, wie zum Beispiel dem Lungenkrebsscreening, da hier mit minimalen Strahlendosen gearbeitet werden kann.

Eingebrachtes metallisches Material beispielsweise nach Wirbelsäulenoperationen oder Gefäßstützen (Stents) in Blutgefäßen kann an herkömmlichen CT-Geräten Bildstörungen (Artefakte) verursachen und die Beurteilbarkeit der Untersuchungen einschränken. Diese Einschränkungen sind mit dem neuen CT deutlich geringer ausgeprägt und treten zum Teil gar nicht mehr auf, so dass Veränderungen, die sich hinter den Artefakten verborgen haben, nun erkannt werden können. Zudem wird Kontrastmittel, welches häufig zur Beurteilung von Gefäßen und Weichteilgewebe eingesetzt wird, schon in geringerer Konzentration besser abgebildet und erlaubt so eine Reduzierung des verwendeten Kontrastmittelvolumens bei gleicher Bildqualität.

Warum freuen Sie sich auf den Einsatz mit dem neuen Gerät?

Wir freuen uns besonders darauf, diese bahnbrechende Technologie zu nutzen und auszureizen, um frühzeitig Krankheiten zu erkennen oder auszuschließen und diese in ihrer Entstehung zu verhindern. Für unsere Patienten freut uns auch außerordentlich, dass bisher noch notwendige invasive diagnostische Untersuchungen, beispielsweise Herzkatheteruntersuchungen, durch dieses nichtinvasive Verfahren ersetzt werden können. (ag)

Auch Patienten mit Lungenerkrankungen profitieren: Das photonenzählende CT ermöglicht die Darstellung detaillierter Strukturen und kombiniert sie mit funktionellen Informationen und das bei einer sehr niedrigen Strahlendosis. Mit dieser Technologie können bereits kleinste Läsionen bei sehr niedriger Strahlendosis detektiert werden. Aufgrund der spezifischen Geometrie des Gerätes und der verbesserten Bildqualität bei niedriger Strahlendosis ist auch die Untersuchung stark übergewichtiger Menschen in hoher Qualität möglich.

Da die Nachfrage nach der neuen Bildgebung sehr groß ist, wird um Geduld bei der Terminvergabe gebeten. „Wir versuchen den Wünschen gerecht zu werden, können allerdings auch nicht ausschließen, dass Patienten sich gedulden müssen“, erklärt Prof. Harald Lapp.

Technologiesprung

Die Entwicklung des Gerätes bis zur Serienproduktion dauerte rund 15 Jahre. Nach Angaben von Siemens eröffnet das NAEOTOM „völlig neue Möglichkeiten in der CT-Bildgebung mit der Fähigkeit, ultradünne Schichten zu erzeugen“. Das Photonen-CT enthält auch eine 3D-Kamera, die KI-gestützte automatisierte Workflows ermöglicht, um eine „gleichbleibend hohe Präzision bei der Patientenpositionierung zu gewährleisten, unabhängig von den individuellen Fertigkeiten“. Die lasergestützte Nadelführung ist auch eine Neuerung. Die Vorteile ergeben sich laut Siemens Healthineers durch eine einzigartige CT-integrierte Option zur Steigerung der Effizienz und Präzision, eine automatische Projektion des Nadeleinstichpunktes und des Stichwinkels auf die Körperoberfläche des Patienten. Zudem sind weniger Arbeitsschritte nötig und die verbesserte Nadelführung kann die Zahl der Kontrollscans reduzieren. Die Frage, was das „Photonenzählen“ für die Computertomografie (CT) bedeutet, beantwortet Stefan Ulzheimer, Programm Manager Photon-Counting CT, so: „Die Entwicklung ist vergleichbar mit der vom verpixelten Schwarzweißfernsehen hin zum HD-Farbfernsehen“. (ag)

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