Lesedauer: 3 Minuten

Gesunde Arbeit im KI-Zeitalter braucht neue Leitplanken

Beim 5. Work Health Day Thüringen in Arnstadt wurde deutlich, warum Unternehmen den Einsatz künstlicher Intelligenz nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch und gesundheitlich gestalten müssen.

5. Work Health Day, Workshop  | Foto: BBGM

KI wird zum Thema für das Betriebliche Gesundheitsmanagement

Künstliche Intelligenz ist längst im Arbeitsalltag angekommen. Beim 5. Work Health Day Thüringen in Arnstadt wurde deutlich: Für Unternehmen ist KI nicht nur eine Frage von Effizienz oder technischer Ausstattung. Sie wird zunehmend zu einem Thema des Betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Ungenutztes Potenzial in vielen Unternehmen

Keynote-Speaker Thomas Grieß machte in seinem Impulsvortrag deutlich, wie groß das ungenutzte Potenzial vieler KI-Anwendungen in Unternehmen noch ist. Sein Bild: In vielen Büros stehe heute sinngemäß ein „50.000-Euro-Flügel“, auf dem bislang nur einfache Melodien gespielt würden. Gemeint ist eine Technologie, die zwar nicht selbst denkt, aber jederzeit verfügbar ist, nicht ermüdet und damit Arbeitsprozesse dauerhaft verändern kann.

Gleichzeitig verwies Grieß auf eine neue Dynamik innerhalb von Teams. Einige Beschäftigte entwickeln sich schnell zu sogenannten KI-Athleten, nutzen Anwendungen souverän und steigern dadurch das Tempo, die Qualität und und die Effizienz ihrer Arbeit. Andere erleben dagegen Unsicherheit, Stress und das Gefühl, abgehängt zu werden. Genau an dieser Stelle wird KI zu einer Aufgabe für Führung und BGM: Wenn Kompetenzgefälle, Überforderung und digitale Unsicherheit nicht begleitet werden, können neue Belastungen entstehen.

KI-Boxenstopps als praktischer Ansatz

Als konkreten Ansatz empfahl Grieß regelmäßige „KI-Boxenstopps“. Zweimal im Monat könnten Teams in kurzen Formaten von etwa 15 Minuten Erfahrungen austauschen, neue Anwendungsfälle vorstellen und voneinander lernen. Solche Routinen schaffen Transparenz, fördern Schwarmwissen und reduzieren das Gefälle zwischen einzelnen Mitarbeitenden. Sein Fazit war deutlich: Es geht zunehmend um die Sicherung digitaler Berufsfähigkeit.

Gesunde Arbeit im KI-Zeitalter

An diese Perspektive knüpfte auch der 5. Work Health Day Thüringen an, der von der Regionalgruppe Thüringen des Bundesverbandes Betriebliches Gesundheitsmanagement e. V. veranstaltet wurde. Rund 120 Teilnehmende aus Betrieben, Behörden, Verbänden und gesetzlichen Kostenträgern diskutierten in Arnstadt, wie gesunde Arbeit im KI-Zeitalter gestaltet werden kann.

Im Mittelpunkt stand nicht mehr die Frage, ob KI genutzt wird. Diese Entwicklung ist in vielen Organisationen bereits Realität. Entscheidend ist vielmehr, wie Unternehmen den Einsatz so gestalten, dass kognitive Leistungsfähigkeit erhalten bleibt, mentale Gesundheit geschützt wird und Organisationen handlungsfähig bleiben.

Neue Aufgaben für Unternehmen

Aus Sicht des Betrieblichen Gesundheitsmanagements ergeben sich daraus konkrete Aufgaben. Unternehmen müssen KI-Kompetenz aufbauen, klare Regeln für den Einsatz definieren und Räume für Reflexion schaffen. Ebenso wichtig sind Regeneration, soziale Verbindung, Fokuszeiten und Angebote, die mentale Stabilität unterstützen. Denn KI kann Arbeit erleichtern, sie kann aber auch Arbeitsdichte erhöhen und neue Formen kognitiver Belastung erzeugen.

BGM muss digitaler gedacht werden

Die Ergebnisse des Work Health Day verdeutlichen: Betriebliches Gesundheitsmanagement muss im Zuge der KI-Transformation weitergedacht werden. Es geht nicht allein um Prävention im klassischen Sinne, sondern um die Gestaltung gesunder digitaler Arbeitsbedingungen. Für Unternehmen in Thüringen stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie gelingt es, technologische Entwicklung, Führung, Kompetenzaufbau und mentale Gesundheit so miteinander zu verbinden, dass Beschäftigte leistungsfähig bleiben und Organisationen stabil durch den Wandel kommen?

Der Work Health Day in Arnstadt zeigte, dass Betriebliches Gesundheitsmanagement künftig stärker dort ansetzen muss, wo Technologie, Arbeitsorganisation und mentale Leistungsfähigkeit im Unternehmensalltag zusammenwirken.

Bildergalerie:

(c) Work Health Day Thüringen, BBGM

Share This