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Warum jetzt der langsamste Moment ist
Wer nicht entscheidet, wird ersetzt.
Für Sebastian Winkler ist klar: Die Zukunft steht nicht nur vor der Tür, sondern bereits im Haus. Der technologische Wandel ist in vollem Gange und nur wer mutig genug ist, Neues auszuprobieren und Entscheidungen zu treffen, wird das Tempo mitgehen können.
Sebastian Winkler auf der Neue Wirtschaft Mitte in Eisenach | Foto: Juliane Keith
Schneller, immer schneller
„Das Tempo des technologischen Wandels war noch nie so schnell wie jetzt. Und dennoch wird es nie wieder so langsam sein, wie es gerade ist.“ So beschreibt Sebastian Winkler die Quintessenz seines Keynote Talks „Entscheiden oder ersetzt werden – warum jetzt der langsamste Moment ist“, den er zur Neuen Wirtschaft Mitte an Vertreter des Thüringer Mittelstands richtete.
Was bewusst plakativ klingt, beschreibt eine reale Entwicklung. Die Geschwindigkeit technologischer Veränderung nimmt weiter zu. Gleichzeitig sinkt die Halbwertszeit von Wissen, Geschäftsmodellen und Prozessen. Technologien – insbesondere KI – werden nicht schlechter, sondern leistungsfähiger. Und sie sind für nahezu jedes Unternehmen verfügbar.
Entscheiden oder ersetzt werden. | Foto: Juliane Keith
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob man sich damit beschäftigt, sondern wie aktiv. Denn entgegen vieler gängiger Endzeitszenarien ist es nicht die Technologie, die Menschen ersetzt – es sind Menschen, die besagte Technologie nutzen. „Technologie ist immer nur Mittel zum Zweck und sollte nie im Vordergrund stehen. Sie ist deshalb immer austauschbar. Wichtig ist, dass wir wandelbar und wissbegierig bleiben und uns mit diesen Veränderungen aktiv auseinandersetzen. Ich nenne diese Menschen immer die Mutigen, die, die etwas probieren und experimentieren. Und aus meiner Sicht brauchen wir viel mehr Mutige in Unternehmen.“
Experimentieren zahlt sich aus
Besonders die Fähigkeit und Bereitschaft von Organisationen, das Lernen neuer Tools systematisch zu ermöglichen und bewusst zu belohnen, sei in Zukunft ausschlaggebend. Gerade im ostdeutschen Mittelstand, so Winkler, wo ein hohes Loyalitätsverständnis häufig auf eine ausgeprägte Stabilitätsorientierung trifft, kann diese Stärke in Zeiten exponentieller Entwicklung zur Bremse werden. „Das Tempo ist heute viel zur schnell für viele kleinere Prozesse, die sich effizient automatisieren ließen. Mein Appell ist daher: Versucht im kleinen Rahmen regelmäßig zu experimentieren. Sucht euch am Ende der Woche den Kack-Prozess im Betrieb und überlegt, was davon überhaupt notwendig ist. Dann versucht ihr, so viel wie möglich von dem was übrig ist zu automatisieren und schaut in zwei Wochen, wie viel Zeit ihr dadurch eingespart habt.“
Ein erster konkreter Schritt, um den Stein ins Rollen zu bringen und systematisch zu lernen. Denn wer nicht heute schon beginnt, sich mit den Veränderungen von morgen zu beschäftigen, wird auch in Zukunft zu langsam sein. „Wenn wir einen Blick in die Vergangenheit werfen, sehen wir, dass man mit dem Skillset aus der Ausbildung bis zur Rente durchgekommen ist. Das gibt es heute einfach nicht mehr. Man muss ständig dazulernen und sich anpassen oder läuft Gefahr ersetzt zu werden. Wozu willst du gehören?“
