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Aufregung und Unverständnis:
Zalando schließt Standort Erfurt Ende September
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Der Onlinehändler Zalando schließt seinen Standort Erfurt Ende September 2026. Das gab das Unternehmen in einer Pressemittelung bekannt. Die Entscheidung traf die rund 2.700 Beschäftigten wohl ebenso überraschend, wie die Landespolitik.
Foto: Mike Mareen | adobe stock.
Offiziell spricht Zalando von der Neugestaltung seines europaweiten Logistiknetzwerks. Man wolle „seine Position im europäischen Mode- und Lifestyle-Markt“ weiter stärken und Kundschaft und Partnern „auch in Zukunft erstklassigen Service zu attraktiven Konditionen anbieten“. Zalando wolle seinen Wachstumskurs fortsetzen und strebe „eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 5 bis 10 Prozent sowohl beim Bruttowarenvolumen (GMV) als auch beim Umsatz“ an. Wie sich diese Ziele mit einer Standortschließung und dem Abbau von 2.700 Arbeitsplätzen vertragen, verrät Zalando nicht.
Frust im Wirtschaftsministerium
Die Mitteilung sorgte auch im Thüringer Wirtschaftsministerium für Aufregung und Unmut. Man sei völlig überrascht worden, hieß es von der Ministerin. Gründe für den geplanten Rückzug vom Standort Erfurt seien ihr derzeit nicht bekannt. „Im Vorfeld gab es dafür keine Hinweise seitens des Unternehmens. Ich hätte mir gewünscht, dass wir frühzeitig in diese Pläne einbezogen worden wären. Möglicherweise hätten wir dann auch noch über Alternativen zu einer Standortschließung sprechen können“, erklärte Colette Boos-John.
Die Ministerin macht keinen Hehl daraus, wie tief der Ärger und das Unverständnis sitzen: „Dass wir hier vor vollendete Tatsachen gestellt worden sind, ist absolut unüblich und ganz sicher kein guter Stil.“ Die Entscheidung sei umso unverständlicher, als Umsatz und Gewinn des Unternehmens nach ihren Informationen zuletzt deutlich gestiegen seien.
Wie geht es weiter?
Zalando selbst spricht davon, „größten Wert auf ein faires und respektvolles Vorgehen“ zu legen. Man setze auf einen offenen Dialog mit der Belegschaft. Die Rede ist von einem Interessenausgleich und einem Sozialplan, wozu Verhandlungen aufgenommen werden sollen.
Zuvor muss das Unternehmen aber noch den Offiziellen in Erfurt Rede und Antwort stehen. Es sei „kurzfristig ein Gespräch mit Zalando und der Stadt Erfurt anberaumt worden, um mehr über die konkreten Pläne des Unternehmens zu erfahren und über Alternativen oder Folgelösungen für den Standort zu sprechen,“ hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Dabei werde das Land im engen Schulterschluss mit der Stadt, der Arbeitsagentur und der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen agieren.
Gießen statt Erfurt?
Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass bei dem Gesprächstermin auch die Pläne von Zalando eine Rolle spielen, in diesem Sommer ein neues Logistikzentrum im mittelhessischen Gießen in Betrieb zu nehmen. Vor diesem Hintergrund liest sich auch folgende Passage aus der offiziellen Verlautbarung des Onlinehändlers wie Hohn: „Wir fühlen uns mit Erfurt und der Region verbunden und werden mit lokalen Behörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammenarbeiten, um gemeinsam zu versuchen, die Auswirkungen zu mindern.“ (tl).
