Medienfrühstück Vol. 7
Corporate Influencing: Sichtbarkeit mit Haltung statt Hochglanz
Jessica Kalwitz und Stefanie Schirrmeister zeigten, wie Corporate Influencing gelingt – mit Vertrauen, Kultur und klaren Leitplanken.
Menschen folgen Menschen – nicht Logos. Diese Erkenntnis stand im Mittelpunkt des 7. Medienfrühstücks des WIRTSCHAFTSSPIEGELS, das erneut in der Filmkantine Wöpke in Erfurt stattfand.
Gemeinsam mit Jessica Kalwitz und Stefanie Schirrmeister von Ibykus widmeten wir uns einer Frage, die viele Unternehmen derzeit beschäftigt:
Wie baut man ein Corporate-Influencer-Programm auf, das nicht wie Marketing wirkt, sondern wie gelebte Unternehmenskultur?
Von der Idee zum Programm
Was mit ersten Gesprächen und Informationsrunden vor rund 300 Mitarbeitenden begann, ist heute ein Programm mit 22 aktiven Corporate Influencern. Der Weg dorthin war kein durchgetakteter Masterplan, sondern ein Lernprozess.
„Unsere erste Zutat war kein Masterplan, sondern Motivation. Wir wollten Lust auf Sichtbarkeit machen – nicht Druck“, erklärte Jessica Kalwitz.
Statt Freigabeprozessen und Posting-Vorgaben setzte Ibykus auf Workshops, Austauschformate und individuelle Themenfindung. Die zentrale Frage lautete dabei nicht: Was sollen unsere Mitarbeitenden posten?
Sondern: Wofür stehen sie selbst?
Denn Corporate Influencing beginnt mit dem eigenen Themenraum:
Was bewegt mich im Arbeitsalltag?
Wo kann ich fachlich Haltung zeigen?
Und wie bringe ich Persönlichkeit ein, ohne privat zu werden?
Kultur statt Kampagne
Im Verlauf des Vormittags wurde deutlich: Corporate Influencing ist kein isoliertes Marketinginstrument.
„Corporate Influencing ist kein Marketing-Tool, sondern Teil der Unternehmenskultur“, betonte Stefanie Schirrmeister. „Man muss bereit sein, Kontrolle abzugeben – und Vertrauen zu schenken.“
Foto: Stephanie Mann
Diese Haltung erfordert klare Rahmenbedingungen: Social-Media-Guidelines, transparente Vereinbarungen und regelmäßige Austauschformate. Gleichzeitig verzichtet Ibykus bewusst auf Vorab-Freigaben einzelner Posts.
„Wir lesen keine Beiträge vor Veröffentlichung“, so Jessica. „Unsere Leute wissen, was sie tun – und sie tun es mit Haltung.“
Zwischen Freiraum und Verantwortung
Besonders wertvoll waren die konkreten Beispiele aus verschiedenen Branchen: von automatisierten Nebenkostenabrechnungen in der Wohnungswirtschaft bis zu KI-gestütztem Content im Marketing. Auch rechtliche und datenschutzrelevante Fragen wurden offen diskutiert. Heikos Empfehlung, sensible Daten nur über lokal installierte KI-Systeme zu verarbeiten, stieß auf großes Interesse.
Ein Fazit mit Haltung
Der Impuls mündete schnell in einen intensiven Dialog mit den Teilnehmenden. Besonders diskutiert wurden Fragen wie:
Wie viel Freiraum ist sinnvoll?
Braucht es Bonusprogramme oder reicht Wertschätzung?
Was passiert, wenn ein Beitrag aneckt?
Und wie ermutigt man Mitarbeitende, die keine „Rampensau“ sind?
Ein Satz blieb dabei besonders präsent:
„Sichtbarkeit ist keine Eitelkeit, sondern Wertschätzung.“
Diese Perspektive verschiebt den Fokus. Es geht nicht um Selbstdarstellung, sondern um Anerkennung von Expertise – und um die Sichtbarmachung von Unternehmenskultur nach außen.
Reichweite ist ein Effekt – nicht das Ziel
Praxisbeispiele zeigten, dass Beiträge von Mitarbeitenden häufig deutlich höhere Reichweiten erzielen als Unternehmensposts. Doch Reichweite war nicht das zentrale Argument. Im Kern geht es um Glaubwürdigkeit, Identifikation und Dialogfähigkeit. Unternehmen, die Corporate Influencing ernst nehmen, investieren nicht in Likes, sondern in Vertrauen.
Das Medienfrühstück machte deutlich: Corporate Influencing funktioniert nur dort, wo Vertrauen, Kommunikation und Kultur zusammenkommen.
Es geht nicht um perfekte Posts, sondern um echte Perspektiven, mutige Stimmen und ehrliche Geschichten aus dem Unternehmensalltag. Der offene und vertrauensvolle Rahmen des Vormittags zeigte einmal mehr, wie wichtig der Austausch über Erfahrungen, Unsicherheiten und konkrete Umsetzungsschritte ist.
Corporate Influencing ist kein kurzfristiger Trend – sondern eine strategische Entscheidung für Sichtbarkeit mit Haltung. Und genau solche Gespräche helfen dabei, aus einer Idee gelebte Praxis zu machen.
Im Kern geht es um Glaubwürdigkeit, Identifikation und Dialogfähigkeit. Unternehmen, die Corporate Influencing ernst nehmen, investieren nicht in Likes, sondern in Vertrauen.
Likes & Qualität – das Influencer-Duo
Das ist Stefanie – Führungskraft bei IBYKUS und Corporate Influencerin. Beim Medienfrühstück erzählt sie von ihrem Weg: Wie sie als Corporate Influencerin gestartet ist, welche Themen und Struggles sie begleiten – und was ihr geholfen hat, sichtbar zu werden. Authentisch und nahbar teilt sie ihre Learnings und zeigt, wie Mitarbeitende Schritt für Schritt zu echten Markenbotschafter:innen werden können.

