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Antriebswende im Schwerverkehr
Unternehmen nehmen Kurs auf neue Energieträger
Wer mit offenen Augen durch den deutschen Logistikalltag geht, ahnt bereits, was eine aktuelle Untersuchung der Bauhaus Universität Weimar nun eindrucksvoll bestätigt: Die Antriebswende im Schwerverkehr gewinnt an Fahrt. Immer mehr Transport und Logistikunternehmen richten ihren Blick auf elektrische und wasserstoffbasierte Technologien. Und das, obwohl hohe Investitionskosten und eine lückenhafte Infrastruktur vielerorts noch auf der Tagesordnung stehen.
Wasserstoffbus an der Tankstelle | Foto: Raphael Obertreis
Die Studie, entstanden im Rahmen des Forschungsprojekts H2Well Markthub und gestützt auf die Angaben von 143 bundesweit befragten Unternehmen, legt Zahlen vor, die aufhorchen lassen. 14.000 Kraftomnibusse und Nutzfahrzeuge bilden die Basis dieser Analyse, die vor allem eines zeigt: Ohne den konsequenten Umstieg auf alternative Energieträger lassen sich die nationalen wie europaweiten Klimaziele nicht erreichen. Darauf verweist Hilde Teichmann von der Professur Verkehrssystemplanung der Bauhaus-Universität in Weimar mit aller Deutlichkeit.
Das Bild, das die Branche für die kommenden Jahre zeichnet, ist klar umrissen. Überall dort, wo es technisch wie betrieblich praktikabel ist, sehen Unternehmen den batterieelektrischen Antrieb als bevorzugte Lösung. Für das Jahr 2045 prognostizieren die Betriebe, dass rund die Hälfte ihrer Fahrzeugflotten elektrisch unterwegs sein wird. Dahinter folgen synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff als weitere Säulen der künftigen Mobilität.
Bemerkenswert ist auch der Blick auf die Gegenwart: Bereits heute zieht die Hälfte der Verkehrs- sowie knapp die Hälfte der Transportunternehmen bei Neuanschaffungen Fahrzeuge mit alternativem Antrieb ernsthaft in Betracht. Mit Blick auf 2030 planen mehr als sechzig Prozent den Einsatz batterieelektrischer Fahrzeuge, während zwischen zwanzig und vierzig Prozent den Schritt in Richtung Wasserstoff wagen wollen.
Gerade im Fernreiseverkehr, im öffentlichen Linienbetrieb sowie in der Bau- und Entsorgungsbranche trauen die Unternehmen dem Wasserstoffantrieb eine tragende Rolle zu. Für das Jahr 2045 erwarten sie, dass rund 30 Prozent der Reisebusse und Spezialfahrzeuge mit Wasserstoff fahren werden. Im Linienbus- und Lkw-Segment der schweren Klasse wird ein Anteil zwischen 10 und zwanzig Prozent prognostiziert.
So viel Aufbruchstimmung, so viele Baustellen: Die Antriebswende bedeutet für die Branche mehr als den Austausch von Technologien. Sie stellt wirtschaftliche Grundsatzentscheidungen in den Mittelpunkt. Hohe Anschaffungskosten, unzureichende Tank- und Ladeinfrastruktur, eine noch bescheidene Produktion grüner Wasserstoffmengen sowie eine uneinheitliche Förderpolitik bremsen den Fortschritt. Besonders im Nutzfahrzeugsektor zeigt sich eine spürbare Zurückhaltung. Für 65 Prozent der befragten Transportunternehmen hat die Antriebswende derzeit nur geringe Bedeutung. (tl)
