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ForLab-Kompetenzatlas vernetzt die

Mikroelektronikforschung neu

 

Es sind oft die leisen, strukturellen Innovationen, die über die Zukunft ganzer Branchen entscheiden. Während in Bochum auf der Fachtagung „Mikroelektronik-Forschung in Deutschland: von den Grundlagen zur Anwendung“ über technologische Durchbrüche diskutiert wird, ist dort zugleich ein Werkzeug freigeschaltet worden, das weit über den Moment hinaus Wirkung entfalten dürfte: der ForLab-Kompetenzatlas.

Professor Jens Müller | Foto: TU Ilmenau Michael Reichel

Was auf den ersten Blick wie eine weitere Forschungsplattform erscheint, ist in Wahrheit ein strategisches Instrument – und eines, das eine klare Handschrift trägt. Denn im Zentrum dieses bundesweiten Projekts steht die Technische Universität (TU) Ilmenau.

Ilmenau als Taktgeber im Netzwerk der Mikroelektronik

Mit der TU Ilmenau, der TU Dresden und der Ruhr-Universität Bochum als Sprecherhochschulen vereint das Projekt „ForLab-NataliE“ insgesamt 23 Universitäten, die in der Mikroelektronikforschung Maßstäbe setzen. Doch die operative und konzeptionelle Tiefe, mit der der Kompetenzatlas umgesetzt wurde, verweist besonders nach Thüringen.

Hier wurde nicht nur koordiniert, sondern gestaltet. Unter Leitung von Prof. Jens Müller ist ein digitales Ökosystem entstanden, das die fragmentierte Landschaft hochspezialisierter Forschung in Deutschland erstmals systematisch sichtbar macht – und damit wirtschaftlich nutzbar.

Vom Datenraum zum Innovationsraum

Der ForLab-Kompetenzatlas ist mehr als eine Datenbank. Er ist ein interaktives Netzwerk, das Kompetenzen, Technologien und Akteurinnen und Akteure miteinander verknüpft. Für Unternehmen – insbesondere für kleine und mittlere Betriebe – entsteht damit ein direkter Zugang zu wissenschaftlicher Exzellenz, der bislang oft nur über persönliche Kontakte oder aufwendige Recherchen möglich war.

Gerade hier zeigt sich die strategische Bedeutung für den Standort Thüringen: Die TU Ilmenau positioniert sich nicht nur als Forschungseinrichtung, sondern als Transferdrehscheibe zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Der Atlas wird so zum Katalysator für Innovation – mit konkretem Mehrwert für industrielle Anwendungen.

Reinräume sichtbar machen – und nutzbar

Ein zentrales Element des Atlas ist die gezielte Darstellung hochspezialisierter Infrastrukturen. Reinräume, die für Mikro- und Nanotechnologie essenziell sind, werden erstmals systematisch erfasst und zugänglich gemacht.

Was bislang im Verborgenen lag, wird nun Teil eines offenen, durchsuchbaren Systems. Die Folge: geringere Einstiegshürden für Unternehmen, effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen und eine deutlich beschleunigte Projektanbahnung.

Dass diese Funktionalität maßgeblich an der TU Ilmenau entwickelt wurde, unterstreicht einmal mehr die Rolle der Universität als Innovationsmotor.

Offen, dynamisch, anschlussfähig

Bemerkenswert ist auch die konsequente Offenheit des Systems. Der Kompetenzatlas ist frei zugänglich, ohne Registrierung nutzbar und richtet sich gleichermaßen an Einsteiger wie an Expertinnen und Experten.

Zugleich ist er kein statisches Produkt. Die Weiterentwicklung erfolgt kontinuierlich – und bewusst nutzergetrieben. Feedback aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung soll direkt in neue Funktionen einfließen. Ein Ansatz, der nicht nur technologisch, sondern auch kulturell einen Paradigmenwechsel markiert: weg von geschlossenen Systemen, hin zu kooperativen Plattformen.

Langfristige Verankerung in Thüringen

Ein weiterer strategischer Vorteil liegt in der nachhaltigen Verankerung des Projekts. Die langfristige Betreuung des Kompetenzatlas wird über das Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien der TU Ilmenau in enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsrechenzentrum sichergestellt.

Damit bleibt die infrastrukturelle und inhaltliche Kontrolle in Thüringen – ein nicht zu unterschätzender Faktor im Wettbewerb um technologische Souveränität.

Infrastruktur entscheidet

Der ForLab-Kompetenzatlas ist kein spektakuläres Einzelprojekt, sondern ein strukturbildendes Instrument. Er schafft Transparenz, beschleunigt Kooperationen und stärkt den Technologietransfer – genau dort, wo Deutschland im internationalen Wettbewerb aufholen muss.

Dass ausgerechnet Ilmenau hier eine führende Rolle übernimmt, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer konsequenten Strategie, Forschung, Infrastruktur und Transfer zusammenzudenken.

Für Thüringen bedeutet das: mehr Sichtbarkeit, mehr Anschlussfähigkeit – und die Chance, sich als zentraler Knotenpunkt der Mikroelektronik in Deutschland zu etablieren. (tl).

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