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Technologie trifft Unternehmergeist:

Wie Thüringen seine Start-ups in die nächste Liga hebt

Wenn aus Ideen belastbare Geschäftsmodelle werden sollen, entscheidet sich oft in wenigen Monaten, ob ein junges Unternehmen den Sprung in den Markt schafft – oder auf halber Strecke stecken bleibt. Genau an dieser sensiblen Schnittstelle setzt der Wettbewerb „get started 2gether“ an. Auch 2026 zeigt sich: Thüringen meint es ernst mit der Förderung technologieorientierter Gründungen.

Personen Benjamin Redlingshöfer und Preisträgerin Cosima Richardson geben sich ein High-Five und überreichen Geldpreis auf dem get started 2gether Gründerwettbewerb

Gewinner 2026 des Wettbewerbes „get started 2gether“ | Foto: Johannes Lange, Mia Sostak (ifw Jena)

Beim diesjährigen Pitch präsentierten 13 Start-ups ihre Lösungen – von Medizintechnik über nachhaltige Materialien bis hin zu Hochfrequenztechnologien. Die Jury zeigte sich beeindruckt von der Bandbreite und dem technologischen Reifegrad der Projekte. Zehn Teams konnten sich schließlich durchsetzen und profitieren nun von einer Förderung in Höhe von insgesamt einer Million Euro.

Das Programm ist bewusst praxisnah konzipiert: Die ausgewählten Start-ups erhalten für sechs Monate Zugang zu den Infrastrukturen wirtschaftsnaher Forschungsinstitute im Freistaat. Dort treffen sie auf das, was im Gründungsalltag oft fehlt: High-End-Technik, wissenschaftliche Expertise und erfahrene Sparringspartner. Diese Kombination ist kein Selbstzweck, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil – sie beschleunigt Entwicklungszyklen und reduziert technologische Risiken.

Wirtschaftsministerin Colette Boos-John bringt es auf den Punkt: Thüringen stellt nicht nur Kapital bereit, sondern öffnet gezielt den Zugang zu Forschungsressourcen und Netzwerken. Das stärkt nicht nur einzelne Unternehmen, sondern die industrielle Substanz des Standorts insgesamt. Gerade in Zeiten zunehmender Technologiekonkurrenz ist das ein strategischer Hebel.

Auch aus Sicht des Forschungs- und Technologieverbunds Thüringen (FTVT) ist das Programm ein zentraler Baustein der Innovationspolitik. Der Verbund fungiert als Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft – eine Rolle, die in vielen Regionen Deutschlands noch nicht in dieser Konsequenz ausgefüllt wird. Dass hier gezielt technologiegetriebene Start-ups adressiert werden, ist folgerichtig: Sie sind es, die künftig Wertschöpfung, Fachkräftebindung und industrielle Transformation prägen werden.

Seit dem Start im Jahr 2019 wurden knapp 70 Start-ups mit rund sechs Millionen Euro unterstützt. Hinter diesen Zahlen steht mehr als Förderstatistik – es ist ein kontinuierlich wachsendes Innovationsökosystem. „get started 2gether“ hat sich damit zu einem echten Standortfaktor entwickelt.

Ein zusätzlicher Impuls kam in diesem Jahr vom FTVT selbst: Ein Sonderpreis in Höhe von 1.000 Euro ging an die Adreniba Trading UG für ihr Projekt „WaterLamp“ – eine mobile, wasseraktivierte Notfall-Energieeinheit. Ein Beispiel dafür, wie technologische Innovation auch gesellschaftliche Resilienz stärken kann.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Erfolgreiche Innovationspolitik braucht mehr als Förderbescheide. Sie braucht funktionierende Schnittstellen, Vertrauen in junge Unternehmen – und die Bereitschaft, Risiken mitzutragen. Thüringen zeigt, wie das gehen kann.

Die Gewinner-Teams 2026 im Überblick:

  • Active Medical Xcellence GmbH – Evaluierung des Einsatzes von passiv gekühlten Diodenarrays im optischen Aufbau eines diodengepumpten Festkörperlasers
  • Adreniba Trading UG – Entwicklung einer wasseraktivierten mobilen Notfall-Energieeinheit im Koffersystem für resiliente Einsatz- und Krisenszenarien
  • Biophelion – Vorbereitung zur Markteinführung von nachhaltigen und natürlichen Aromastoffen
  • FluIDect GmbH – Robuster industrieller Online-Biosensor
  • HyCPower GmbH – Integration von Biomethan-Pyrolysegas in Eisenoxid-Speichersysteme zur effizienten Wasserstoffspeicherung
  • LIST Technology Deutschland GmbH – Effizienzsteigerung eines Kombinationsverfahrens zur Herstellung von Spinnmassen aus 100 % recycelter Baumwolle
  • PERCEPTEC GmbH – Diagnostischer Sehtest zur automatisierten Bestimmung von Fehlsichtigkeiten
  • REFNOW SMART-UP Microfactories GmbH – Optimierung eines enzymatischen Recyclingprozesses für kontinuierliche Anwendungen
  • VanDerSchaft – Der Van der weiter schafft – Ökologische, leichte Wohnkabinen
  • Waveguide Factory GmbH – Spezialgalvanik für Hochfrequenzanwendungen

Fotos: Johannes Lange, Mia Sostak (ifw Jena)

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