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Bauen mit Holz

Thüringens Chance im Klimawandel

Die Baubranche steht vor einem Paradigmenwechsel. Während Beton und Stahl lange als Garanten für Stabilität galten, erobert ein alter Werkstoff die Zukunft: Holz. Für Thüringen, mit seinen ausgedehnten Wäldern und traditionsreichen Sägewerken, eröffnet sich damit eine wirtschaftliche Perspektive.

Baustelle des ThüringeForst-Bettenhauses | Foto: ThüringenForst

Der Blick auf moderne Holzbauten hat nichts mehr mit rustikalen Almhütten gemein. In Heilbronn wächst gerade Deutschlands höchstes Holzhochhaus in die Höhe – 34 Stockwerke. Was nach Zukunftsmusik klingt, ist längst Realität. Brettsperrholz und Holz-Hybrid-Konstruktionen ermöglichen Traglasten, die vor Jahren undenkbar schienen.

 

Was tut sich in Thüringen?

Der staatliche Hochbau in Thüringen ist Vorreiter bei der Umsetzung staatlicher Bauprojekte in Holzbauweise. Auch private und kommunale Bauherren setzen zunehmend auf den einheimischen Baustoff Holz. 2022 wurden in Thüringen rund 27 Prozent aller Baugenehmigungen im Neubaubereich des Wohnungsbaus für Holzbauweisen erteilt, im Nichtwohnbau 21,8 Prozent – damit liegt Thüringen über dem Bundesdurchschnitt von jeweils 21,3 Prozent. Dies belegen Zahlen des Ministeriums für Digitales und Infrastruktur. Hier zwei Beispiele:

 

Bildungszentrum ThüringenForst in Gehren

Das Forstliche Bildungszentrum Gehren erhielt bis 2024 ein neues Bettenhaus für rund drei Millionen Euro. Der dreistöckige Holzneubau mit 20 Einzelzimmern und acht Ausbilderbüros wurde komplett aus regionalem Holz errichtet – rund 300 Festmeter aus nahegelegenem Landeswald, verarbeitet in einem regionalen Sägewerk zu Balken und Brettern.

 

Besonders bemerkenswert: Das Holz wurde als sogenanntes „Mondholz“ bei abnehmendem Mond im Winter geschlagen, was nach jahrhundertealter Tradition widerstandsfähiger gegen Insektenbefall sein und bessere statische Eigenschaften besitzen soll. Thueringenforst Das Projekt zeigt exemplarisch, wie regionale Wertschöpfungsketten funktionieren können.

 

Seesport- und Erlebnispädagogisches Zentrum Kloster (SEZ)

An der Bleilochtalsperre entstand ein IBA-Modellvorhaben für regionales und umweltgerechtes Bauen. Die Konstruktion verzichtet komplett auf Leimhölzer und jede Art von Platten- und Verbundwerkstoffen. Die Bauweise wurde dem im Thüringer Forst verfügbaren Holz – einschließlich Borkenkäfer-Schadholz – angepasst.

 

Der Holzeinschlag erfolgte in den Wäldern des Rennsteigs und des Forsts Sondershausen, die Weiterverarbeitung übernahmen ein lokales Sägewerk und eine nahegelegene Zimmerei. Das Projekt wurde von Ludloff Ludloff Architekten aus Berlin realisiert.

Die Zahlen sprechen für sich: Ein Kubikmeter verbautes Holz bindet rund eine Tonne CO₂. Gleichzeitig verursacht die Produktion von Holzbaustoffen deutlich weniger Emissionen als bei konventionellen Materialien. In Zeiten verschärfter Klimaziele wird dieser Vorteil zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

 

Unser Fazit

Thüringen verfügt über ideale Voraussetzungen. Mit einer Waldfläche von über 515.000 Hektar, hochmodernen Sägewerken und Holzbau-Ingenieuren an der Bauhaus-Universität Weimar ist die gesamte Wertschöpfungskette vor Ort. Was fehlt, ist die konsequente Vernetzung.

Die Landesregierung hat dies erkannt. Förderprogramme für Holzbau im kommunalen und gewerblichen Bereich sollen Anreize setzen. Doch entscheidend wird sein, ob es gelingt, Architekten, Bauherren und Holzwirtschaft an einen Tisch zu bringen. Pilotprojekte, etwa Schulen oder Verwaltungsgebäude in Holzbauweise, könnten als Leuchtturm dienen.

 

Der Markt jedenfalls ist da. Bundesweit steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Baukonzepten. Wer jetzt investiert, sichert nicht nur Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen, sondern positioniert Thüringen als Vorreiter einer Branche im Umbruch. (tl)

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