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Was Transportunternehmer derzeit beschäftigt
Smart Compliant Logistics Kongress in Jena
Beim 12. SMART COMPLIANT LOGISTICS (SCL) Kongress im Volkshaus Jena diskutierten am 30. Juni und 1. Juli Vertreter aus Transportwirtschaft, Kommunen, Wissenschaft und Technologieentwicklung über die Zukunft des gewerblichen Güterverkehrs.
Der 12. Smart Compliant Logistics Kongress fand im Volkshaus Jena statt. | Foto: Steffen Walther | DAKO
Den Auftakt des inhaltlichen Programms bildete ein Themenblock zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz im Transportgewerbe – ein Feld, in dem sich für Unternehmer inzwischen konkrete Investitionsentscheidungen stellen.
KI in der Logistik schrittweise einsetzen
Martin Friedrich vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) ordnete ein, warum an KI kaum noch ein Weg vorbeiführt: Logistik sei eine Querschnittsfunktion, in der praktisch überall Daten anfallen – von der Disposition bis zur Tourenplanung. KI-Systeme nutzten diese Daten, um Routen in Echtzeit zu optimieren und damit direkt auf Kosten- und Auslastungskennzahlen zu wirken.
Dass der Wandel neben technischen auch organisatorische Fragen aufwirft, machten seine Beispiele deutlich: Mangelnde Akzeptanz in der Belegschaft gelte als ein zentrales Umsetzungshemmnis. Hinzu kommen historisch gewachsene IT-Landschaften, die sich nicht kurzfristig modernisieren lassen. Sein Appell an Logistik-Unternehmer: schrittweise vorgehen und vorab prüfen, welche sich ständig wiederholenden Aufgaben nutzenbringend eine KI übernehmen könnte.
E-Logistik: Pilotprojekt zu reservierbaren Ladepunkten
Wolfgang Schmid (Webfleet Solutions) ergänzte mit einem Praxisbericht, wie vernetzte Fahrzeugdaten die Steuerungslogik ganzer Flotten verändern.
Für die unternehmerische Perspektive ebenfalls aufschlussreich war der Beitrag von Maximilian Zähringer (FRYTE Mobility GmbH). Seine Kernthese: Sobald Elektro-Lkw in der Fläche ankommen, wird nicht mehr die Reichweite, sondern die Energieversorgung zum größten strukturellen Hebel für Transportunternehmen.
Ladeinfrastruktur müsse laut ihm vorausschauend geplant werden – inklusive belastbarer Prognosen zu Energie- und Lastspitzenbedarf. Statt klassischer Routenplanung brauche es künftig eigene „Energiefahrpläne“, die Ladezeiten und Netzkapazitäten von vornherein einkalkulieren. Ein entsprechender Pilot, der Logistik- und Energieplanung zusammenführt, läuft nach Angaben von Zähringer bereits seit drei Wochen mit MAN Truck & Bus in München. „Darin geht es darum, für die Subunternehmer von MAN Ladepunkte zum einen bereitzustellen und zum anderen reservierbar zu machen, sodass sicher gesagt werden kann, welcher Frächter lädt wann an dem Ladepunkt.“
Einordnung des Veranstalters
Dr. Harald Hempel, Leiter für Innovation & Forschung bei der gastgebenden DAKO GmbH, betonte den Anspruch der Veranstaltung, über den reinen Fachaustausch hinauszugehen. Der SCL-Kongress sei mehr als eine Fachveranstaltung, sondern ein Ort, an dem Praxis, Forschung und Politik gemeinsam nach tragfähigen, wirtschaftlich umsetzbaren Lösungen suchten. Entsprechend zeigte er sich enttäuscht über die im Vergleich zu den Vorjahren niedrigeren Anmeldezahlen. Gerade wenn es um Erneuerungen in der Branche gehe, sei der Austausch wichtig, weswegen er Veranstaltungen wie diese für eine wichtige Plattform halte.
Auch die Stadt Jena positionierte sich beim Auftakt: Dezernent für Stadtentwicklung und Umwelt Dirk Lange rief Unternehmen dazu auf, konsequent in neue Technologien zu investieren, statt an überholten Lösungen festzuhalten.
SLC: Themen des 2. Kongresstages
Am Nachmittag widmete sich der Kongress laut Tagesordnung den Themen Kommunen und Kreislaufwirtschaft, unter anderem der Rückgewinnung von Lithium aus Altbatterien sowie Best-Practice-Berichten zu alternativen Antrieben und geräuscharmer Stadtlogistik – Themen mit direktem Bezug zu Restwertstrategien und ESG-Berichtspflichten von Transportunternehmen.
Der zweite Kongresstag (1. Juli) startete demnach mit Impulsen zu Brennstoffzellen-Förderung, Batterietechnologie und Solarmobilität, gefolgt von einem Block zu Compliance und Unternehmerhaftung – unter anderem zur seit 1. Juli 2026 geltenden Tachografenpflicht und zu den Anforderungen der EU-Verordnung 165/2014, die für Flottenbetreiber unmittelbar haftungsrelevant sind. (sa/em)
