Lesedauer: 4 Minuten

Hochschule Schmalkalden (HSM)

Im Wandel von Paradigmen.

Wie lassen sich Low Cost-Cobots für Präzisionsmesstechnologien ertüchtigen?

 

Das Forschungsprojekt „3D-FMM“ der Hochschule Schmalkalden und des Suhler Unternehmens PREMETEC untersuchte die Frage, ob sich kostengünstige kollaborative Roboter („Low-Cost-Cobots“) für hochpräzise Messaufgaben in der Industrie einsetzen lassen. Ziel war die Entwicklung einer modularen, flexiblen und gleichzeitig präzisen Fertigungsmessplattform. Hintergrund ist die zunehmende Automatisierung industrieller Produktionsprozesse sowie der steigende Bedarf an anpassungsfähigen Messsystemen, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen.

HSM 1

Cobots unterscheiden sich von klassischen Industrierobotern dadurch, dass sie für die Zusammenarbeit mit Menschen konzipiert sind. Sie übernehmen repetitive Aufgaben wie Montage, Qualitätskontrolle oder Pick-and-Place-Prozesse und gelten als vergleichsweise leicht programmierbar. Während hochwertige Modelle bereits in anspruchsvollen Produktionsumgebungen eingesetzt werden, weisen günstige Varianten oft Einschränkungen bei Präzision und Geschwindigkeit auf. Genau hier setzte das Projekt an: Es sollte geklärt werden, ob preiswerte Cobots technisch so verbessert werden können, dass sie mit möglichst wenig Aufwand hochgenaue Messoperationen durchführen können.

Herausforderungen bei Präzision und Wiederholgenauigkeit

PREMETEC entwickelt seit über 30 Jahren spezialisierte Mess- und Prüfanlagen für Branchen wie Automobilbau, Medizintechnik oder Sicherheitstechnik. Die Herausforderung besteht darin, hochpräzise Messtechnik mit steigender Flexibilität zu verbinden. Da Produktionszyklen immer kürzer werden und Produkte häufiger variieren, lohnt sich die Entwicklung vollständig neuer Messanlagen wirtschaftlich oft nicht mehr. Deshalb gewinnen modulare und anpassbare Systeme an Bedeutung. Low-Cost-Cobots könnten hierbei eine kosteneffiziente Lösung darstellen. Das Forschungsteam der Hochschule Schmalkalden untersuchte insbesondere die Präzision und Wiederholgenauigkeit der eingesetzten Roboterarme. Ein Problem bestand darin, dass die Genauigkeit mit zunehmender Bewegungskomplexität abnahm. Zusätzlich zeigte sich im Dauerbetrieb eine wachsende Positionsabweichung. In Tests wurde der Roboterarm beispielsweise 600-mal an dieselbe Position gefahren, wobei sich schrittweise Fehler aufbauten. Ziel war es daher, das reale Verhalten des Cobots genauer zu analysieren, als dies durch Herstellerdaten möglich war.

Adaptive Software als Lösungsansatz

Darauf aufbauend entwickelte das Team um Professor Frank Schrödel eine adaptive Softwarelösung mit einem sechsstufigen Algorithmus. Mithilfe einer Korrekturmatrix konnten Positionsabweichungen ausgeglichen werden, ohne mechanische Veränderungen am Roboter vorzunehmen. Die Lösung arbeitet extern und bleibt flexibel an unterschiedliche Anwendungen anpassbar. Dadurch konnte ein entscheidender Paradigmenwechsel erreicht werden: Cobots dienen nicht mehr nur als unterstützende Werkzeuge, sondern können selbst aktiv präzise Messaufgaben übernehmen.
Das Projekt wurde durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie die Thüringer Aufbaubank gefördert und gilt als Beispiel erfolgreicher Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Industrie und regionaler Wirtschaftsförderung. Für PREMETEC entstand eine nahezu marktreife Technologie zur Erweiterung des Produktportfolios. Die Hochschule gewann zugleich wertvolle Forschungsdaten und wissenschaftliche Veröffentlichungen. Nicht zuletzt zeigte das Projekt, wie internationale Studierende erfolgreich in mittelständische Unternehmen eingebunden werden können.

Mehr erfahren Sie hier: www.hereingeforscht.de

Aktuelle Forschungsvorhaben

H2-FlexiDekarb
Flexibilisierung der Elektrizitätsversorgung in Thüringen zur Ermöglichung der Dekarbonisierung: Regionale Integration mit Wasserstofftechnologien und den dazugehörigen Netzinfrastrukturen
Projektpartner HSM:
Prof. Dr. Wojciech Lisiewicz (Fakultät Wirtschaftsrecht)

HSM
Veranstaltungen
  • 13.06.2026
    10:00 Uhr – 14:00 Uhr
    Campus
    Hochschulinformationstag
  • 15.–19.05.2026
    Campus
    Schmalympische Spiele

Throwback

AI-Konferenz beleuchtet Schnittstelle zwischen Künstlicher Intelligenz und moderner Technologie

Im Rahmen der Initiative „Developer Community“ organisierten Studierende der HSM eine AI-Konferenz mit Referierenden aus Wissenschaft und Wirtschaft. Über 150 Teilnehmende informierten sich über aktuelle Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz und moderne Technologien. Ziel der Veranstaltung war es, praxisnahe Einblicke in Anwendungsfelder, Branchentrends und technologische Entwicklungen rund um KI- und Cloud-Technologien zu geben.

Im ersten Teil der Konferenz referierte André Toussaint von der Intershop Communications AG aus Jena über die Auswirkungen von KI und Cloud-Technologien auf digitale Geschäftsmodelle im Jahr 2026. Anschließend stellte Dr. Daniel Garten von der GFE Schmalkalden KI-Methoden zur Verarbeitung von Bilddaten und eindimensionalen Signalen in industriellen Anwendungen vor. Am Nachmittag folgten praxisorientierte Workshops von Prof. Constantin Pohl von der HSM sowie Nadine Hamada von der GFE.

Neben den fachlichen Inhalten lag der Schwerpunkt der Konferenz auf Vernetzung, beruflicher Orientierung und dem Austausch zwischen Studierenden, Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Unterstützt durch das Projekt WORTplus bot die Veranstaltung eine Plattform zur Förderung der regionalen Innovationskultur und zur langfristigen Bindung qualifizierter Talente an den Arbeitsmarkt in Südthüringen.

Hochschule Schmalkalden

Hochschule Schmalkalden

 

Blechhammer
98574 Schmalkalden

Webseite: www.hs-schmalkalden.de

Share This