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Jahresumfrage der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände

Warnsignal aus der Wirtschaft

Die Thüringer Wirtschaft kommt nicht vom Fleck. Seit über drei Jahren herrscht Stagnation, Investitionen werden vertagt, die Unsicherheit wächst. Die aktuelle Jahresumfrage bestätigt: Es handelt sich nicht mehr um einen konjunkturellen Dämpfer, sondern um ein strukturelles Problem.

                    Dr. Matthias Kreft, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Wirtschaft Thüringen | Foto: VWT

Die Zahlen sind ernüchternd: Rund die Hälfte der Unternehmen meldet für das zweite Halbjahr 2025 eine gleichbleibende Entwicklung bei Aufträgen, Erträgen und Beschäftigung. Knapp 40 Prozent erwarten Rückgänge, nur etwa jedes zehnte Unternehmen Wachstum. Dynamik bleibt die Ausnahme.

Industrie unter Druck

Im produzierenden Gewerbe berichten mehr als 65 Prozent der Betriebe von stagnierender oder sinkender Produktion. Die Kapazitätsauslastung liegt bei rund 74 Prozent und damit deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Unausgelastete Kapazitäten sind ein klares Alarmsignal: Sie stehen für fehlende Aufträge, ausbleibende Investitionen und mittelfristig gefährdete Arbeitsplätze.

Aufträge vorhanden – Planungssicherheit fehlt

Die durchschnittliche Auftragsreichweite liegt zwar bei acht Monaten und damit leicht über dem Vorjahr. Doch jeder zweite Betrieb verfügt nur über Aufträge für maximal drei Monate. Diese Unsicherheit zwingt viele Unternehmen zu einer defensiven Strategie. Investitionen werden nicht aus Mangel an Ideen verschoben, sondern aus Sorge vor weiteren wirtschaftlichen Verwerfungen.

Bürokratie bremst, Fachkräfte fehlen

Als größte Belastung nennen die Unternehmen weiterhin die Bürokratie: lange Genehmigungsverfahren, steigende Berichtspflichten, komplexe Regelwerke. Sie binden Zeit und Kapital, die für Innovation und Wachstum fehlen. Zugleich bleibt der Fachkräftemangel ein zentrales Risiko – trotz schwacher Konjunktur. Fast jedes zweite Unternehmen bezweifelt, den Personalbedarf in den kommenden fünf Jahren decken zu können. Die demografische Entwicklung trifft viele Betriebe mit voller Wucht.

Gedämpfter Ausblick

Für das erste Halbjahr 2026 erwarten rund 50 Prozent der Unternehmen keine Veränderung, bis zu 35 Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung. Neueinstellungen bleiben selten; Anpassungen erfolgen meist über natürliche Fluktuation. Besonders kritisch ist die Ausbildung: In einigen Branchen bleibt bereits jeder dritte Ausbildungsplatz unbesetzt – nicht wegen fehlender Bereitschaft der Betriebe, sondern wegen mangelnder Bewerber. Viele Unternehmen bilden dennoch weiter aus, weil klar ist: Ohne eigenen Nachwuchs gibt es keine Zukunft.

Politik in der Pflicht

Gefordert werden weniger Bürokratie, eine aktive Fachkräfte- und Bildungspolitik, wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Investitionsanreize und ein intensiver Dialog mit der Politik. Die Botschaft der Wirtschaft ist eindeutig: Die Unternehmen sind bereit zu investieren – benötigen dafür aber stabile und planbare Rahmenbedingungen. Stillstand können sie sich nicht länger leisten. (tl)

„Wenn wir jetzt nicht konsequent gegensteuern, droht ein schleichender Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Arbeitsplätzen.“

Dr. Matthias Kreft

Haupt ge schäftsführer des VWT

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