Lesedauer: 2 Minuten

Innovations-Impulse gegen
die Krise beim Walterhäuser Wirtschaftsgipfel

Leere Hörsäle, sinkende Auftragszahlen und Insolvenzen: Die Industrie rund um Waltershausen steht unter Druck. Professor Christian Döbel, Vorsitzender des Gewerbevereins, lud deshalb zum Wirtschaftsgipfel, um Wege aus der Rezession zu ebnen. Das Ergebnis: Ein Korb voller Visionen – doch der politische Rückhalt für konkrete Strukturen wackelt noch.

Blick ins Ülernum des Waltershäuser Wirtschaftsgipfels | Foto: Peter Riecke

Wenn Studenten an der Dualen Hochschule Gera-Eisenach plötzlich fehlen, weil ihr Ausbildungsbetrieb nicht mehr existiert, ist das für Prof. Dr.-Ing. Christian Döbel mehr als nur eine Statistik. Es ist das Warnsignal einer Region im Umbruch. Zwischen Kurzarbeit und Übernahmen suchte der Waltershäuser Gewerbeverein nun den Schulterschluss mit Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.

Drei Branchen im Visier

Döbel präsentierte ein Konzept, das die lokale Industrie auf zukunftssichere Beine stellen soll. Sein Fokus liegt dabei auf den Wachstumsfeldern Wehrtechnik, Medizintechnik und Software. Da die Wertschöpfung moderner Produkte massiv in digitale Ebenen abwandert, müsse sich Waltershausen hier positionieren.

Zu den konkreten Vorschlägen zählen:
Technologie- und Gründerzentrum: Eine städtische oder kreiseigene Tochtergesellschaft soll zentral Fördermittel akquirieren und Start-ups sowie Ansiedlungen fördern.

KI-Campus: Unter der Regie des Gewerbevereins soll ein Zentrum für Künstliche Intelligenz entstehen – inklusive eigenem Servercluster für datensichere Hochleistungsrechnungen.

Wertschöpfungsnetzwerk „Defense“: Ein Verbund, der lokale Unternehmen befähigt, die hohen Normen und Standards der Wehrtechnik gemeinsam zu bedienen.

Zwischen Vision und Verwaltung

Dass Transformation Zeit und Netzwerke braucht, verdeutlichte der Jenaer Oberbürgermeister Thomas Nitzsche, der die Erfahrungen seiner Stadt aus den 90er-Jahren einbrachte. Doch während die Ideen auf dem Tisch liegen, blieb die Resonanz der Politik verhalten. Klare Zusagen für die Schaffung eines Gründerzentrums im Stadt- oder Kreistag blieben aus. Dr. Sabine Awe vom Thüringer Wirtschaftsministerium verwies derweil auf bestehende Instrumente wie die Gemeinschaftsstände des Freistaates auf Messen.

Fazit: Der Gipfel hat gezeigt, dass die Expertise und der Wille zur Veränderung in der Unternehmerschaft vorhanden sind. Damit aus den „vielen Ideen“ jedoch „beschlossene Sache“ wird, müssen Kommunalpolitik und Wirtschaft im nächsten Quartal – wenn das nächste Treffen ansteht – enger zusammenrücken. (pri)

Share This