Lesedauer: 2 Minuten

Gastbeitrag: Warum die Ernährungswirtschaft ein Erfolgsfaktor für Thüringen ist

Essen ist ein Gefühl

Viba Sweets, Rotkäppchen, Köstritzer: Die Thüringer Ernährungswirtschaft zählt zu den drei größten Industriebranchen des Freistaats und gilt als vergleichsweise stabil. In seinem Gastbeitrag erklärt VWT-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Kreft, warum Lebensmittel sich nicht digitalisieren lassen, wie sich Konsumtrends und Fachkräftebedarf entwickeln und weshalb die Zukunftsaussichten der Branche trotz hoher Energie- und Rohstoffkosten gut bleiben.

Symbolbild | Foto: Igor – stock.adobe

Hierbei handelt es sich um einen Gastbeitrag.

Traditionsmarken mit bundesweiter Strahlkraft

Essen ist weit mehr als reine Nahrungsaufnahme. Geschmack weckt Erinnerungen, verbindet Generationen und ist eng mit Emotionen verknüpft. Genau darin liegt eine besondere Stärke der Thüringer Ernährungswirtschaft: Ihre Produkte lassen sich nicht digitalisieren. Während viele Branchen durch den technologischen Wandel grundlegend verändert werden, bleiben Lebensmittel ein unverzichtbarer Bestandteil des Alltags – produziert von Menschen für Menschen.

Marken wie Viba Sweets, Filinchen, Köstritzer, Rotkäppchen oder Born Senf stehen beispielhaft für die Leistungsfähigkeit der Branche. Viele dieser Produkte sind den Menschen aus DDR-Zeiten noch bestens bekannt und wurden über Eltern und Großeltern an jüngere Generationen weitergegeben. Nach der Wende mussten sich die Unternehmen jedoch auf dem gesamtdeutschen Markt behaupten. Der Weg in die Regale westdeutscher Supermärkte war lang, doch zahlreiche Firmen konnten sich erfolgreich etablieren.

Besonders deutlich zeigt dies Viba Sweets. Das Unternehmen setzte früh auf Expansion und übernahm 2014 sowie 2024 mehrere traditionsreiche Marken. Mit Arko, Hussel und Eilles kamen zuletzt über 100 zusammen. Die Zahl der Beschäftigten stieg von etwa 600 auf 1.000, heute betreibt das Unternehmen mehr als 170 Filialen. Auch Rotkäppchen entwickelte sich durch die Übernahme westdeutscher Marken zum Sekt-Marktführer.

Ernährungswirtschaft unter Thüringens Top-3-Industriebranchen

Die Ernährungswirtschaft zählt heute zu den drei größten Industriebranchen Thüringens und gilt als vergleichsweise stabil. Beschäftigte verdienen durchschnittlich rund 35.000 Euro im Jahr. Kleinere Unternehmen setzen erfolgreich auf Regionalität und finden in lokalen Märkten gute Absatzchancen. Größere Wachstumsstrategien stoßen dagegen zunehmend an Grenzen, da der Bevölkerungsrückgang die Nachfrage bremst.

Auch Konsumtrends verändern sich. Nachhaltigkeit bleibt wichtig, wird angesichts steigender Lebenshaltungskosten für viele Verbraucher jedoch zunehmend zum Luxus. Ähnlich entwickelt sich der Bio-Markt: Bio-Produkte sind etabliert, der frühere Boom hat sich jedoch abgeschwächt.

Die Digitalisierung verändert vor allem die Produktion. Automatisierte Anlagen, KI-gestützte Planung, digitale Qualitätskontrollen, lückenlose Rückverfolgbarkeit sowie elektronische Dokumentation steigern Effizienz und Qualität.

Die Branche leidet wie andere auch unter hohen Energiekosten. Besonders fallen steigende Rohstoffkosten und gestiegene Verpackungs- und Transportkosten ins Gewicht.

Fachkräfte und Zukunftschancen der Thüringer Lebensmittelbranche

Alles in allem bleiben die Zukunftsaussichten in Thüringen gut. Lebensmittel werden unabhängig von Digitalisierung oder künstlicher Intelligenz immer benötigt. Entsprechend gefragt sind Fachkräfte. Viele Unternehmen beschäftigen bereits erfolgreich Arbeitskräfte aus Osteuropa und Drittstaaten und bleiben offen für internationale Bewerberinnen und Bewerber.

Die Thüringer Ernährungswirtschaft verbindet Tradition und Innovation und bietet stabile Arbeitsplätze in einer Branche, deren wichtigstes Produkt auch künftig unersetzlich bleibt: guter Geschmack. (mk)

Share This