Lesedauer: 2 Minuten
Thüringen profitiert offenbar vom Dezember-Schub
Auftragseingang im ostdeutschen Maschinenbau
Der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau hat 2025 beim Auftragseingang leicht Gas gegeben – und sich so vom stagnierenden Bundestrend abgesetzt. Real legten die Bestellungen in Ostdeutschland um rund drei Prozent zu, während der Maschinenbau bundesweit lediglich auf ein Nullwachstum kam. Treiber war ein kräftiger Endspurt: Im Dezember schnellten die Inlandsbestellungen in Ostdeutschland um 17 Prozent nach oben, im Bund waren es sieben Prozent. Das sagen Zahlen des Landesverbandes Ost des Verbandes des Maschinen- und Anlagenbaus.
Symbolbild| Foto: Adobe Stock
Thüringens Maschinenbau als industrielles Rückgrat
Thüringen gehört zu den industriellen Kernen dieser Entwicklung. Mehr als 400 Maschinenbauunternehmen mit rund 18.000 Beschäftigten erwirtschaften im Freistaat über 3,1 Milliarden Euro Umsatz, die Exportquote liegt bei gut 42 Prozent. In der amtlichen Statistik der größeren Betriebe (ab 50 Mitarbeitenden) verfehlte der Thüringer Maschinen- und Anlagenbau 2024 mit 3,97 Milliarden Euro Umsatz nur knapp die Vier-Milliarden-Marke, nachdem 2023 erstmals diese Schwelle überschritten worden war. Rund 16.300 Beschäftigte hielten 2024 in 102 Thüringer Maschinenbaubetrieben dieser Größenklasse die industrielle Wertschöpfung auf Kurs.
Ostdeutschland: Plus bei Auslandsaufträgen
Der Auftragsschub 2025 speiste sich vor allem aus dem Ausland. Die Auslandsbestellungen im ostdeutschen Maschinenbau stiegen real um 4 Prozent; wesentliche Impulse kamen aus dem Euroraum. Damit knüpft die Region an ihre Rolle als Exportmotor an, von der auch Thüringen mit einer Exportquote von über 40 Prozent im Maschinenbau direkt profitiert.
VDMA Ost mahnt: Standortpolitik nachschärfen
Trotz der positiven Bilanz bleibt der VDMA-Landesverband Ost nüchtern. „Die Zahlen für 2025 sind ein solides Fundament, aber kein Grund zur Entwarnung“, warnt Geschäftsführer Oliver Köhn. Aus seiner Sicht entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit der ostdeutschen Maschinenbauer – und damit auch der Thüringer Branche – an drei Hebeln: schnellere Verwaltungsprozesse, konsequente Digitalisierung der Behörden und eine Infrastruktur, die industrielles Wachstum nicht ausbremst.
Sondervermögen muss schnell in die Fläche
Der Verband drängt darauf, die Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität rasch in konkrete Projekte zu überführen. Gemeint sind leistungsfähige Verkehrsachsen, eine moderne Energieinfrastruktur mit planbarer Versorgung und wettbewerbsfähigen Strompreisen sowie belastbare Logistikketten – auch für die exportstarken Thüringer Maschinenbauer. Denn nur wenn Investitionen nicht an schleppenden Genehmigungen und brüchigen Netzen hängen bleiben, können Ostdeutschland und Thüringen den Sprung von soliden Fertigungsstandorten zu eigenständigen Hochtechnologie-Regionen schaffen. (tl)
