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Unternehmerdialog in Arnstadt
Mittelstand muss selbst handeln
Unternehmerdialog Arnstadt: Warum Thüringens Mittelständler nicht auf die Politik warten sollten und was Wirtschaftsministerin Boos-John zur Bürokratie sagt.
Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John beim Unternehmerdialog in Arnstadt mit den Veranstaltern und Mitarbeitenden der EPZ Industrietechnik. | Foto: Juliane Keith
„Zukunft muss gemacht werden“, lautete das Motto, unter dem die EPZ Industrietechnik GmbH am Dienstag, 20. Oktober, nach Arnstadt zum Unternehmerdialog einlud. Auf dem Podium: Wirtschaftsministerin Colette Boos-John, CDU-Fraktionschef Andreas Bühl, Geschäftsführer von Arnstädter Werkzeug- und Maschinenbau René Scharn und Franz-Josef Willems, Geschäftsführer von EPC Engineering & Technologies sowie Vorstandsvorsitzender der Initiative Erfurter Kreuz, die die Diskussion mitgestaltete.
Der Tenor war klar: Unternehmer müssen selbst handeln.
Darum gint es auf der Podiumsdiskussion
Scharn brachte es auf die Formel, dass Mittelständler selbst tun müssen, unabhängig von der Politik. Sein Beispiel: Mit 125 Beschäftigten entwickle sein Unternehmen gemeinsam mit dem Fraunhofer IKTS die Fertigung für Zellen, die als Brennstoff- und Elektrolysezelle arbeiten, und gelte nach eigener Einschätzung in Europa als „weit vorn“. Interessant war, wer dabei das Risiko trage. Scharn nannte die Forschungszulage: Den Kunden dafür zahlen zu lassen, sei so nicht möglich gewesen.
Eine andere Lösung stellte Franz-Josef Willems vor: Die EPC Engineering & Technologies habe die erste technische Anlage in China gemeinsam mit dem Investor gebaut und hätte so das Risiko geteilt. Er warnte zugleich vor dem Technologietransfer und riet, immer die „nächste Entwicklungsstufe“ in der Schublade zu haben. Besonders wichtig sei, die Wertschöpfung hier am Ort im Blick zu haben.
Unternehmertag in Arnstadt: Politik beteuert Wille zum Bürokratieabbau
Die Politik bot Rückenwind: Man arbeite mit Hochdruck daran, die Bürokratie zu verschlanken. Boos-John sprach davon, dass es im Freistaat 172 Förderprogrammen gegeben hätte, davon allein 40 in ihrem Haus – fünf davon seien mittlerweile in anderen Fördermöglichkeiten aufgegangen. Das vereinfache Prüfverfahren. Doppelstrukturen würden somit abgebaut, Verfahren vereinfacht und digitalisiert.
Es müsse allerdings noch viel getan werden: Mitarbeitende zu ermutigen, Ermessensspielräume im Sinne des Antragstellers zu nutzen und den Dienstleistungsgedanken zu verankern, ginge nicht von jetzt auf gleich nach langer Jahres der Verfahrensorientierung und der Risikovermeidung. Bühl verwies in dem Zuge auf Genehmigungsfiktionen in der Bauordnung, die für eine verkürzte Bearbeitungszeit der Genehmigungsverfahren führen sollen. Ob das reicht, um Investitionen in Thüringen anzukurbeln oder nach Thüringen zu holen, blieb jedoch offen.
Ungewöhnliches Format für Industrieunternehmen
Die EPZ Industrietechnik ging mit dem Veranstaltungsformat einen für das Unternehmen neuen Weg. „Wir sind kein Unternehmen, das jede Woche eine Netzwerkveranstaltung durchführt, aber wir wollten unsere Räume öffnen, um einen konstruktiven Dialog mit Unternehmen in unserem Umfeld und der Politik zu ermöglichen. Das haben wir erreicht. Wir freuen uns über den Zuspruch, die Teilnehmerzahl und den gelungenen Verlauf des Nachmittags“, so Geschäftsführer Andreas Bauer.
55 Gäste aus Wirtschaft und Politik waren gekommen, darunter auch Arnstadts Bürgermeister Frank Spilling und der ehemalige Thüringer CDU-Chef Mike Mohring. (red)
