Lesedauer: 2 Minuten

Aromatique in Thüringen

Ein Kräuterbitter als Kulturgut

Wie viel Thüringen steckt in einem Kräuterbitter? Der „Aro“ ist für viele Thüringer mehr als ein Schnaps. Das zeigte die Produktenthüllung des neuen „Wiegands Aromatique“ am 14. Oktober in der Wiegand Manufaktur Weimar.

„Wiegands Aromatique“, mit seinem Schöpfer in der roten Weste im Hintergrund | Foto: Chris Sommer-Blumenstein

Wirtschaftsstaatssekretär Mario Suckert, der sich selbst als „Aro-Experte“ bezeichnete, nannte das Getränk „Thüringer Kulturgut“. Und auch Dieter Ortlepp von der Agentur Rittermann (zuständig für den Vertrieb) schlug in eine ähnliche Kerbe: „Kaum ein anderes Produkt verbindet die Menschen in Thüringen so sehr.“

Ihnen zufolge stünde der Aromatique für gemeinsame Erinnerungen, regionale Eigenheiten und ein Stück Heimatgefühl.

Die lange Tradition des Thüringer Kräuterbitters

Und tatsächlich reicht die Geschichte des Kräuterbitters weit zurück. 1828 brachte der Neudietendorfer Apotheker Theodor Lappe die „Tinctura aromatica“ auf Basis eines Kräuterrezepts in den Handel.

Das Getränk wurde zum Vorbild für weitere Hersteller, die ebenfalls unter dem Namen Aromatique produzierten. Der etablierte Hersteller, Aromatique GmbH Spirituosenfabrik in Nesse-Apfelstädt, hat sich 2024 aus mehreren großen Handelsketten zurückgezogen und setzt seither verstärkt auf Werksverkauf und Direktvertrieb.

Die Eigeninterpretation aus Weimar

Für Matthias Wiegand der ideale Zeitpunkt, mit seiner eigenen Version des Kräuterbitters an den Markt zu gehen. „Die Idee treibt mich schon seit 15 Jahren um. Es wäre schade, wenn so ein Stück Thüringer Geschichte nach und nach verschwinden würde.“

Wirtschaftsstaatssekretär und selbsternannter „Aro-Experte“ Mario Suckert bei der Verkostung. | Foto: Chris Sommer-Blumenstein

Wiegands Rezept basiert auf alten Apothekerbüchern seines Vaters. Aktuell werden die Zutaten aus verschiedenen Teilen Deutschlands bezogen. Perspektivisch möchte er jedoch stärker Thüringer Produkte einfließen lassen.

Damit verbindet sich die Frage, wie aus einer regionalen Tradition auch mehr regionale Wertschöpfung entstehen kann.

Regionalität ist kein Selbstläufer

Wiegands Ansatz steht exemplarisch für eine Frage, die viele regionale Unternehmen beschäftigt: Wie lässt sich gewachsene Tradition in ein heutiges Geschäftsmodell übersetzen?

Regionale Herkunft kann Wiedererkennung schaffen, emotionale Bindung stärken und Produkte von austauschbaren Alternativen unterscheiden. Sie ist allerdings kein Selbstläufer. Entscheidend bleibt, ob ein Produkt auch jenseits seiner Geschichte überzeugt. (csb)

Schöpfer Matthias Wiegand schenkt seinen Gästen ein. | Foto: Chris Sommer-Blumenstein

Share This