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„Deutschland kommt nicht aus der Schockstarre“
Konjunkturexperten warnen deutsche Wirtschaft
Die deutsche Industrie hinke der Weltwirtschaft hinterher und sei international nicht wettbewerbsfähig, so Experten.
„Deutschland kommt nicht aus der Schockstarre.“ Prof. Dr. Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft schaut wenig optimistisch in die Zukunft. | Foto: Isabel Halbauer
„Wir befinden uns in der längsten Stagnationsphase seit Ende des Zweiten Weltkrieges“, so der Leiter der Forschungsgruppe Makroökonomie und Konjunktur am Institut der deutschen Wirtschaft, Prof. Dr. Michael Grömling. „Deutschland kommt nicht aus der Schockstarre.“ Erst sei die Corona-Pandemie Schuld gewesen, dann folgten geopolitische Probleme, unter anderem der russische Angriffskrieg in der Ukraine und nun der Krieg der USA gegen Iran.
Dass es in naher Zukunft zu einem Trendwechsel kommen könnte, das sieht er eher vorsichtig. Zu den akuten Konjunkturschocks kämen die permanenten Strukturschocks. Gerade als ein Land, was von der Exportwirtschaft gelebt hat, werde Deutschland härter getroffen als andere Länder.
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Grömling und weitere Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Statistik sprachen anlässlich des 25. Bestehens des Institut der Wirtschaft Thüringens auf einem Fachkolloquium in Amt Wachsenburg bei Arnstadt über ihre Sicht auf die deutsche und thüringische Wirtschaft. Unter der Überschrift „Wo entsteht Wertschöpfung“ diskutierten die Experten über Strukturwandel, Produktivität, Wachstum und Innovation sowie Digitalisierung.
10.000 Arbeitsplätze gingen pro Monat verloren. Zudem zeigte Grömling eindrucksvoll auf, wie sich deutsche Exporte von der globalen Güternachfrage entkoppelt haben. Ursachen, wie das passieren könne, seien mannigfaltig: Wurden die falschen Produkte produziert? Haben wir die preisliche Wettbewerbsfähigkeit verloren? Oder liegt es an der Geopolitik bzw. geopolitischer Blockbildung? Die Antwort liege in einem Bündel an Fragen.
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Weitere Konjunkturexperten zeichneten beim ein ähnlich düsteres Bild. Prof. Dr. Uwe Cantner, geschäftsführender Direktor des Schumpeter-Zentrums an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, kommt zu dem Schluss, dass wir in Deutschland in allen Schlüsseltechnologien schlecht dastehen, was die Wettbewerbsfähigkeit angeht. Eine Ausnahme gebe es, was ihn für Thüringen besonders freue: die Photonik.
„Wir müssen nicht in jeder Schlüsseltechnologie vorne dabei sein“, erklärte er weiter. „Wir müssen akzeptieren, dass wir importieren müssen.“ Dann sollten wir jedoch in die Large Language Models (LLM) gut implementieren: „Dann sind wir nicht auf der Verliererstraße.“ An die Politik appellierte er, man brauche jetzt eine neue, kluge Wirtschaftspolitik und müsse ein Innovationsökosystem schaffen. Dabei ziele er nicht primär auf finanzielle staatliche Unterstützung ab, sondern auf die entsprechenden Rahmenbedingungen und Vernetzungen.
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Weitere Referenten blickten im Laufe des Tages auf Produktivitäts- und Verdienstunterschiede in Ost- und Westdeutschland, was laut Dr. Cornelius Paul vom Institut für Mittelstands- und Regionalentwicklung auf die deutsche Teilung als Urkatastrophe der deutschen Wirtschaft zurückgehe, die Belastung und Relevanz von Unternehmensstatistiken sowie unter anderem auf die regionale Wertschöpfung in Südthüringen.
Als sich den Negativtrends als Positivbeispiel präsentierendes Unternehmen bildete die Werksbesichtigung des am Erfurter Kreuz ansässigen Triebwerkswartungswerks N3 das Rahmenprogramm des Forums.
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Vertreter und Vertreterinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Statistik trafen sich anlässlich des 25-jährigen Bestehens des IWT und besichtigte auch das Werk der in Arnstadt ansässigen N3 EOS. | Foto: Sandra Böhm
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