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Quantenkommunikation: Wie Nordhausen zum Sicherheitsknoten für Europa wird

Forschungsprojekt QUANT-GPICz an der Hochschule Nordhausen

Mit dem Kick-off von QUANT-GPICz entsteht unter Leitung der Hochschule Nordhausen eine abhörsichere Quantenkommunikationsachse zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. 18 Millionen Euro von EU und Bund fließen in ein Projekt, das Energienetze, Behördenkommunikation und Europas digitale Souveränität absichern soll – mit Thüringen als tragendem Standort.

Das Konsortium: eine Allianz aus Wissenschaft und Wirtschaft | Foto: Hochschule Nordhausen

Es sind Projekte wie dieses, die zeigen, dass Thüringen technologisch längst nicht nur mitspielt, sondern mancherorts den Takt vorgibt. Mit dem Kick-off von QUANT-GPICz ist in Nordhausen ein Vorhaben gestartet, dessen Tragweite über die Landesgrenzen weit hinausreicht.

Unter Federführung der Hochschule Nordhausen entsteht eine hochsichere, quantenbasierte Kommunikationsachse zwischen Deutschland, Polen und Tschechien – ein Infrastrukturprojekt, das nicht weniger als die digitale Souveränität Europas stärken soll.

Von der Teststrecke zum europäischen Quanten-Backbone

Wer die Entwicklung der vergangenen Jahre verfolgt hat, weiß: Der Boden für dieses Vorhaben wurde bereits gelegt. Das Vorläuferprojekt Q-net-Q, ebenfalls unter Nordhäuser Leitung, hat gezeigt, dass Quantenschlüsselverteilung (QKD) keine ferne Zukunftsvision mehr ist, sondern belastbare Praxis.

Die rund 150 Kilometer lange Teststrecke zwischen Nordhausen und Erfurt, ergänzt um Verbindungen  zwischen Berlin und Frankfurt am Main sowie zwischen Erfurt und Jena, hat die technische Machbarkeit unter Beweis gestellt – von der Integration in bestehende Netze bis hin zu telemedizinischen Anwendungen.

Was in Thüringen als Testfeld begann, wird nun zum internationalen Backbone ausgebaut. QUANT-GPICz verknüpft die nationalen Quanteninfrastrukturen Deutschlands, Polens und Tschechiens – Q-net-Q, PIONIER-Q und CZQCI – zu einem grenzüberschreitenden Netz.

Neue QKD-Verbindungen sollen künftig Frankfurt am Main, Berlin, Warschau und Prag physisch miteinander verbinden. Das ist mehr als ein technisches Detail: Es ist der Versuch, abhörsichere Kommunikation zur europäischen Regel statt zur nationalen Ausnahme zu machen.

Kritische Infrastruktur: Energienetze und Behörden im Fokus

Besonders bemerkenswert ist, wo diese Technologie ansetzen soll. Gemeinsam mit dem weltweit führenden Interconnection-Dienstleister DE-CIX werden hochsichere Verbindungen zwischen Rechenzentren erprobt. Im Blick stehen dabei Bereiche, die im wahrsten Sinne systemrelevant sind: die Übertragungsnetze der europäischen Energieversorgung ebenso wie die vertrauliche Kommunikation staatlicher Institutionen wie der Bundesdruckerei.

Ergänzt wird das Ganze durch eine Kopplung von Glasfasernetz und optischen Bodenstationen – die Schnittstelle zum künftigen Weltraumsegment der europäischen EuroQCI-Initiative. So entsteht die technische Grundlage für einen verlustfreien, geschützten Austausch zwischen den Sicherheitszentren der beteiligten EU-Staaten.

Damit reiht sich das Projekt unmittelbar in die sicherheitspolitischen Prioritäten der Bundesregierung ein: Der Koalitionsvertrag 2025 weist der digitalen Resilienz höchste Priorität zu, und die europäische EuroQCI-Initiative liefert dafür den institutionellen Rahmen.

So soll die trinationale Quanten-Infrastruktur aussehen. | Foto: Hochschule Nordhausen

Konsortium: Fraunhofer, Hochschule Nordhausen und internationale Partner

Geleitet wird das Vorhaben von Prof. Dr. Thomas Hühn, der als Projektleiter und Konsortialführer der Hochschule Nordhausen die Fäden zusammenhält. An seiner Seite steht ein Konsortium, das sich sehen lassen kann: Auf deutscher Seite bringen das Fraunhofer IOF Jena, das Fraunhofer HHI Berlin, das Fraunhofer IIS sowie die Technischen Universitäten Berlin und München ihre Forschungskompetenz ein, flankiert von Industriepartnern wie DE-CIX und der Quantum Optics Jena GmbH.

Aus Polen und Tschechien kommen mit dem Institute of Bioorganic Chemistry, der NASK, der Politechnika Wrocławska und der Czech Technical University in Prague weitere starke Partner hinzu. Assoziiert sind zudem das Deutsche Forschungsnetz, die Gasline GmbH & Co. KG, die Bundesdruckerei GmbH und die Thüringer Netkom – ein Netzwerk, das Wissenschaft und Wirtschaft eng verzahnt.

Dass ausgerechnet Jena und Nordhausen in diesem europäischen Gefüge tragende Rollen spielen, ist kein Zufall, sondern die Fortschreibung einer Entwicklung, die sich seit Jahren abzeichnet: Thüringen als Standort, an dem Quantentechnologie nicht nur erforscht, sondern in belastbare Infrastruktur überführt wird.

18 Millionen Euro Fördervolumen von EU und Bund

Rund 18 Millionen Euro stehen für QUANT-GPICz zur Verfügung, finanziert je zur Hälfte von der Europäischen Union und – auf deutscher Seite – vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung. Es ist eine Summe, die zeigt, wie ernst Brüssel und Berlin das Thema nehmen. Für Thüringen ist es zugleich eine Gelegenheit, sich als Standort für sicherheitskritische Zukunftstechnologien weiter zu profilieren – über Nordhausen und Jena hinaus, aber eben auch von dort aus. (tl)

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