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Mutmacher für eine gebeutelte Branche
Die Stimmung in der Bau- und der Wohnungswirtschaft ist derzeit alles andere als gut. Das liegt an den allgemein
gestiegenen Kosten. Hohe Energiekosten und Baupreise vertragen sich schlecht mit bezahlbaren Mieten. Es ist also
an der Zeit, das gesamte Thema neu zu denken.
Grafische Ansicht der Projektplanung | Foto: WBG Rudolstadt
Vorbild in Aschersleben
Dann stieß André Textor auf ein ähnliches Projekt in Aschersleben. Die sachsen-anhaltinischen Kollegen haben sich Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld als Partner gesucht. Er lehrt als Honorarprofessor an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und an der dualen Hochschule Glauchau als Einziger in Deutschland das Thema „Vernetzte energieautarke,Gebäude“. Mit seinem Unternehmen berät er Politik, Wirtschaft, Banken, Bausparkassen, Kommunen und Bauherren in Fragen der Zukunftsgestaltung mit Blick auf Energie und Ressourcen. Leukefeld gilt einerseits als Visionär, bleibt aber gleichzeitig Realist. Projekte, wie er sie vorantreibt, sind immer standortabhängig. Rund 20 Prozent des bundesweiten Bestandes ließen sich so umgestalten.
Diese Standortgunst trifft auf das Rudolstädter Projekt im Erich-Correns-Ring in besonderer Weise zu, freuen sich André Textor und Steffen Schwarzbach. So können an der Süd- undWestseite sowie auf dem Dach des Gebäudes großflächig Photovoltaik-Module angebracht werden. Ebenso erhält der nebenstehende Carport ein Solar-Dach. Das und mehr ist das Ergebnis eines Werkstatttages, den WGR, Planungsbüro und das Team von Timo Leukefeld gemeinsam durchgeführt haben und bei dem der sogenannte Energetische Kompass für das Objekt entstand.
Moderne Ausstattung
Um die Energie längstmöglich im Gebäude zu halten, verfügt es über eine Dämmung nach KfW-40-Standard. Das Haus selbst wird zunächst entkernt. Früher beherbergte es ausschließlich Einraumwohnungen. Künftig werden es Ein-, Zwei- und Dreiraumwohnungen sein. Alle Wohnungen verfügen über Balkone und sind barrierearm gestaltet. Zwei Fahrstühle halten auf jeder Etage. Einer davon eignet sich sogar für den Liegendtransport. Beheizt werden die Wohnungen über an der Decke angebrachte Infrarotheizungen, die auch als Lichtquelle genutzt werden können.
Auf jeder Etage befinden sich Räume, in denen die Mieter ihre Waschmaschinen anschließen können. Im Erdgeschoss wird ein Veranstaltungsraum entstehen, der von den Genossenschaftsmitgliedern angemietet und genutzt werden kann.
Die WGR rechnet mit Baukosten von sechs bis acht Millionen Euro. Vermietet werden sollen die fertigen Wohnungen zu einem Festpreis, der bereits alle Neben kos ten beinhaltet. Diese Pauschalmiete ist ein Geschäftsmodell mit Energieflat, in der für zehn Jahre alle Kosten für Wohnen, Wärme, Strom und E-Mobilität enthalten sind.
Keine Blaupause aber Pilotprojekt
Textor und Schwarzbach haben bereits Kontakt mit der Landesregierung aufgenommen. Sie können sich vorstellen, dass ihr Vorhaben zum Pilotprojekt für die organisierte Wohnungswirtschaft in ganz Thüringen wird. „Wir wollen Mut machen und zeigen, dass man das Thema Bauen und Wohnen ganz neu denken kann und muss.“
Steffen Schwarzbach und André Textor, Vorstand der WG Rudolstadt eG| Foto: WBG Rudolstadt

