19.10.2026 | Anzeige, Nachhaltigkeit

Lesedauer: 6 Minuten

Im Interview: Tobias Kern, Geschäftsführender Gesellschafter der TMP Fenster + Türen GmbH

„Die Region spielt gemeinsam“

Tobias Kern, Geschäftsführer der TMP Fenster + Türen GmbH, über Heimat, Handball, ein starkes Netzwerk und die Zukunft eines Standorts mitten in Deutschland.

Zur Person: Tobias Kern, verheiratet, zwei Kinder, lebt seit 2000 in Bad Langensalza. Nach seinem Einstieg bei TMP Fenster + Türen und dem Diplom-Ingenieur-Studium in Mosbach (Baden-Württemberg) führte ihn sein Weg im Unternehmen bis an die Spitze der Geschäftsführung. Foto: TMP Fenster + Türen GmbH

Herr Kern, Sie sind im Jahr 2000 nach Bad Langensalza gekommen. Warum ist es diese Stadt geworden – und warum sind Sie geblieben?

Ehrlich gesagt war es in erster Linie das Studium und der Job. Ich kam aus Nordhausen und habe bei TMP angefangen, damals noch ganz am Anfang meiner Laufbahn als Student im Bereich Metallbautechnik. Das Studium in Mosbach in Baden-Württemberg habe ich berufsbegleitend gemacht, und spätestens da hätte ich die Wahl gehabt, woanders neu zu starten. Aber ich hatte hier beides: eine echte berufliche Chance in einem Unternehmen, das wächst – und die Sicherheit, dass sich Beruf und Familie unter einen Hut bringen lassen. Kurze Wege, bezahlbarer Wohnraum, eine historische Altstadt, in der man sich kennt. Für eine junge Familie ist das ein besseres Umfeld als die große, schnelle Großstadt, in der man morgens eine Stunde pendelt und abends kaum noch Zeit füreinander hat. Heute lebe ich hier mit meiner Frau und unseren beiden Kindern – das ist längst keine Entscheidung mehr, das ist unser Zuhause.

Viele aus Ihrem Jahrgang sind damals in die großen Städte gezogen. Heute kommen einige zurück. Wie erleben Sie diese Bewegung?

Sehr bewusst, weil ich sie im Freundeskreis sehe. Um die Jahrtausendwende war der Weg nach München, Hamburg, Berlin oder Frankfurt fast schon der Normalfall. Ich bin damals gegen den Strom geschwommen. Jetzt, zwanzig Jahre später, kommen einige mit Familie zurück – und sie bringen Erfahrung, Kontakte und Know-how mit. Das ist ein Riesengewinn für die Region – zumindest, wenn die Gehaltsstrukturen passen und attraktiver Wohnraum vorhanden ist. Klar, die Lebenshaltungskosten sind hier auf einem anderen Niveau als in den Metropolen. Aber genau das ist ja ein Vorteil, wenn man Familie hat. Und die Lage mitten in Deutschland, die gute Anbindung, das ist ein handfester Standortfaktor. Ganz zu schweigen von der hohen Lebensqualität konkret in Bad Langensalza.

Der THC prägt das Bild der Stadt weit über Thüringen hinaus. Was bedeutet der Verein für Sie und für die Wirtschaft vor Ort?

Der Thüringer HC ist so etwas wie unser Botschafter. Wenn irgendwo in Deutschland Bad Langensalza fällt, denken viele zuerst an Handball, danach an unsere schöne Altstadt. Dass ein Verein aus einer Stadt mit 16.000 Einwohnern seit Jahren in der Spitze mitspielt, ist eine enorme Leistung – und die färbt ab. Für die Unternehmen hier ist der THC ein Stück Identität und gleichzeitig ein Treffpunkt. Man sitzt zusammen auf der Tribüne, man kennt sich, man redet. Daraus entsteht Vertrauen, und Vertrauen ist im Geschäft unbezahlbar.

Um den THC herum ist ein enges Unternehmernetzwerk entstanden. Wie wichtig sind solche Verbindungen für TMP?

Sehr wichtig. Ich denke da zum Beispiel an Helmut Peter von der Autohaus Peter Gruppe oder an Robert Böhm von Universalbau – beide seit vielen Jahren tragende Säulen des THC und Menschen, mit denen man offen und auf Augenhöhe spricht. Persönlich kenne ich Andreas Peter aus meiner Jugend in Nordhausen noch sehr gut. Auch Andreas ist in der Heimat geblieben.

Die in den 90er-Jahren hier beheimateten Unternehmenslenker und der damalige Bürgermeister Bernhard Schönau sahen früh das Potenzial einer vernetzten Wirtschaft und Kommunalpolitik – aus diesem Kreis heraus hat sich unsere Wirtschaftsinitiative gegründet.

Die Heimspiele des THC sind dabei so etwas wie die etablierte Basis: eine wiederkehrende Konstante, bei der man sich sieht, austauscht und Dinge anstößt. Es geht dabei nicht nur um Geschäft, sondern um die Frage: Was können wir gemeinsam für diese Stadt tun? Diese Haltung verbindet uns in der Wirtschaftsinitiative und darüber hinaus auch viele andere wichtige Akteure und Unterstützer des THC.

Engagement zeigt sich bei TMP nicht nur auf der Handballtribüne. Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?

Anlassbezogen packen die Unternehmen aus der Initiative ehrenamtlich für die Menschen im Altkreis Bad Langensalza an – vom Seifenkisten- oder Entenrennen bis zu größeren Projekten. Drei Beispiele, die gut zeigen, wie wir ticken: Der TMP-3-Türme-Lauf mit dem SV Empor ist inzwischen ein kleines Volksfest – vom Bambinilauf bis zur 12,5-Kilometer-Strecke, Start und Ziel an der Marktkirche, bis zu 1.000 Teilnehmende, alle Einnahmen gehen an den Verein. Dann die TMP-Jugendtour rund um Gotha, die viele als „Kleine Friedensfahrt“ kennen: ein Radrennen für Schülerinnen und Schüler mit der Friedenstaube auf dem Trikot. Da geht es um Sport, aber auch um Respekt und Miteinander.

Der Artenschutzturm in Grumbach: Aus einer alten Trafostation, die eigentlich abgerissen werden sollte, haben wir auf Initiative unseres Beiratsvorsitzenden Bernhard Helbing ein Zuhause für Turmfalken, Schleiereulen und Fledermäuse entstehen lassen – heute mit Führungen für Kindergärten und Schulklassen. Sport, Jugend, Natur: Das sind Themen, mit denen wir als Unternehmen hier Verantwortung übernehmen wollen.

TMP gilt in der Region als sicherer Arbeitgeber. Wie gelingt es Ihnen, Fachkräfte auszubilden und langfristig zu halten?

Mit Verlässlichkeit. Wir sind einer der größten Arbeitgeber in Bad Langensalza, und viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten bei uns. Das kommt nicht von allein. Wir bilden selbst aus, wir investieren in moderne, ergonomische Arbeitsplätze und wir versuchen, jungen Menschen eine echte Perspektive zu geben – hier, nicht irgendwo. Der Fachkräftemarkt ist hart, das spüren wir wie alle. Aber ein Unternehmen, das seit über drei Jahrzehnten am selben Ort wächst, hat eine Geschichte zu erzählen. Und die überzeugt.

Von Bad Langensalza aus ist TMP bundesweit erfolgreich geworden. Was macht den Standort dafür so tragfähig?

Die Lage ist ideal: Wir sitzen im Zentrum Deutschlands, unsere Fenster und Türen erreichen Kunden von Hamburg bis München in kurzer Zeit. Dafür haben wir am Stammsitz ein eigenes Logistikzentrum aufgebaut. Dazu kommt ein Team, das Qualität lebt – unser RAL-Gütezeichen ist kein Zufall. Ich will aber nichts beschönigen: Die letzten drei Jahre waren für die Baubranche nicht einfach. Wir haben uns in dieser Zeit stark auf unsere Kernkompetenzen fokussiert. Weil TMP breit aufgestellt ist und eine klare Vision verfolgt, können wir uns nun konsolidieren und gehen gestärkt aus dieser Phase in die Zukunft. Darauf bin ich jetzt schon stolz – vor allem auf unser Team –, auch wenn die Rahmenbedingungen uns weiterhin einiges abverlangen. Wir haben uns sehr bewusst zum Fertigungsstandort Deutschland bekannt, während andere ins Ausland gegangen sind. Das war die richtige Entscheidung.

Mehr als fünf Millionen Euro sind zuletzt in Logistik und die „Fertigung der Zukunft“ geflossen. Wohin geht die Entwicklung?

Unter anderem in Richtung Fenstermodulbau. Die Baubranche verändert sich, serielles und vorgefertigtes Bauen gewinnt an Bedeutung. Wir wollen nicht nur das Fenster liefern, sondern das komplette, einbaufertige Modul. Dafür haben wir unsere Kunststofffensterfertigung grundlegend modernisiert – mit Automatisierung, neuen Bearbeitungszentren und Prozessen, die die körperlich schweren Arbeiten deutlich reduzieren. Das ist gut für unsere Leute und gut für unsere Wettbewerbsfähigkeit. Und wir sind da noch lange nicht am Ende.

Nachhaltigkeit ist in der Baubranche mehr als ein Schlagwort. Was heißt das bei Ihnen konkret?

Ganz praktisch: Unsere Produkte sparen beim Kunden über Jahrzehnte Energie, das ist der größte Hebel. In der Produktion setzen wir zum Beispiel CO₂-reduziertes Low-Carbon-Glas ein und achten auf kurze Wege und Recyclingfähigkeit unserer Produkte. Nachhaltigkeit heißt für uns aber auch: langfristig denken – bei Investitionen, bei Mitarbeitern, beim Standort. Ein Unternehmen, das seit 36 Jahren an einem Ort wächst, handelt automatisch nachhaltig.

Sie engagieren sich in der Wirtschaftsinitiative Bad Langensalza und arbeiten eng mit Kurdirektorin Katja Rudolph zusammen. Wo sehen Sie die Stadt in zehn Jahren?

Ich bin da sehr optimistisch, weil das Zusammenspiel funktioniert. Stadt, Wirtschaft und Tourismusmanagement – das sind für mich drei Säulen, die hier gemeinsam tragen. Mit Frau Rudolph haben wir seit Ende 2024 jemanden an der Spitze der Kurg esellschaft, die mit viel Energie zeigt, was touristisch möglich ist. Und die Ergebnisse sieht man: steigende Übernachtungszahlen, gut ausgelastete Ferienwohnungen und Gastronomie, eine deutlich gestiegene Lebensqualität in der Stadt und im Umfeld. Das zahlt direkt auf die Attraktivität unserer Arbeitsplätze ein und hilft uns bei der Fachkräftegewinnung. Die Region spielt gemeinsam – so wie beim THC.

Bad Langensalza hat beides: eine historische Kleinstadt mit Lebensqualität und Unternehmen, die bundesweit und darüber hinaus agieren.

Ich sehe uns in zehn Jahren als eine Stadt, in die Menschen gezielt ziehen – weil sie hier arbeiten, leben und etwas aufbauen können. Und die Gäste in unserem Unternehmen sagen mir immer wieder: Warum kennt man diese Stadt nicht viel mehr? Genau daran arbeiten wir gemeinsam.

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TMP Fenster + Türen GmbH

Homburger Weg 14 a
Bad Langensalza

Webseite: www.tmp-fenster.de

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