von | 03.09.2026 | Allgemein

Lesedauer: 3 Minuten

Maschinenbautag in Erfurt: Wie Thüringer Betriebe mit KI ihren Standort sichern

10. Thüringer Maschinenbautag stellt KI und Automatisierung in den Fokus

Beim 10. Thüringer Maschinenbautag in Erfurt zeigten 24 Unternehmen, wie KI und Automatisierung dem Kostendruck im Maschinenbau begegnen können.

Neben der Tagung stellen sich beim 10. Thüringer Maschinenbautag zahlreiche Unternehmen auch im Foyer des Comcenters vor. | Foto: Sandra Böhm

Ein Werksleiter, der morgens erstmal einen Berg an Notizen und Dokumenten durchwälzen muss, um herauszufinden, was in der Spät- und Nachtschicht passiert ist, war gestern. Heute hört er sich einen Podcast an, den die Vorarbeitenden zur Schichtübergabe kurz als Sprachnotizen eingesprochen haben. Das ist zumindest eine digitale Lösung, die der Pumpenhersteller Wilo zurzeit in einem Pilotprojekt testet, erzählt Victor Dienstbier in seiner Keynote zum 10. Thüringer Maschinenbautag.

Dieser stellte am Donnerstag, 3. September, im Erfurter Comcenter die Frage nach der KI und Automatisierung im produzierenden Gewerbe in den Mittelpunkt. Denn die Thüringer Maschinenbauunternehmen treibe aktuell explizit die Frage nach der Standortsicherung und der wachsenden Absatzschwäche um, weiß Andreas Patschger, Netzwerkgestalter und Leiter der Koordinierungsstelle des Thüringer Zentrums für Maschinenbau.

„Früher waren in Thüringen die Wettbewerbsfaktoren Qualität, Liefertreue und Lohnkosten“, erklärt er. „Das hat uns zu so einer Art verlängerten Werkbank gemacht, weil wir günstigste Produktionsstandorte bei einer hohen Qualität und einer kurzen Lieferfrist hatten.“ Doch diese Wettbewerbsfaktoren seien inzwischen weggefallen, da die gleiche Qualität nun auch in Osteuropa und asiatischen Raum geliefert werde, jedoch mit deutlich niedrigeren Lohnkosten.

24 Unternehmen präsentieren Automatisierungslösungen

Aus diesem Grund müssen sich die hiesigen Maschinenbauunternehmen damit beschäftigen, wie sie ihre eigene Kostenstruktur verbessern und ihre Prozesse effizienter gestalten. Zudem treibe sie laut Patschger um, welche neuen Produkte sie auf den Markt bringen können oder wie sie neue Märkte erschließen können.

Daher wurde auf der Konferenz Unternehmen eine Bühne gegeben, die konkrete Lösungen zur Automatisierung von Produktionsprozessen, industriellen Abläufen sowie zur intelligenten Organisation und Steuerung von Produktionssystemen integriert haben. In siebenminütigen Pitches konnten so 24 Unternehmen ihre Innovationen in der primären Automatisierung, der Automatisierung der Sekundär-Prozesse und der Automatisierung von Organisation und Steuerung vorstellen.

Gordon Just gab beispielsweise in seinem Pitch Einblicke, wie GB Neuhaus KI zur Optimierung modularer Prozesse in der Sprühbeschichtung nutzt, während Peter Sticht zeigte, wie Macksmatec Cobots in der Automatisierungstechnik einsetzt und wie das Zusammenspiel von Mensch und Maschine in dem Maschinenbauunternehmen funktioniert.

Maschinenbautag verzeichnet Rekordinteresse: mehr als 155 Teilnehmende

Dass der Maschinenbautag ein gern angenommenes Format für die Maschinenbau-Unternehmer ist, zeigt, dass die Veranstalter schon anderthalb Wochen zuvor die Anmeldung schließen mussten. Laut Patschger haben sich am Donnerstagvormittag trotzdem mehr als die angemeldeten 155 Interessierten aus der Branche im Comcenter eingefunden.

Der Tag sei wichtig, um die Vernetzung unter den Unternehmen zu organisieren, damit die Wertschöpfungskette relokalisiert werde und in Thüringen bleibe, so Patschger. Nur gemeinsam könnten die Unternehmen versuchen, sich Herausforderungen wie dem Kostendruck und den Handelshemmnissen zu stellen.

Zukunftsausblick: Wandel entscheidet über Bestehen

Für Unternehmen, die sich bewegen und versuchen dem Transformationsdruck zu begegnen, sieht der Netzwerkgestalter trotz der angespannten Lage einen optimistischen Zukunftsausblick: „Denen wird es auch weiterhin gut gehen. Für die Unternehmen, die ein ‚Weiter so‘ probieren, bin ich eher pessimistisch. Durch die genannten Anforderungen wird das schwierig, hier weiter zu bestehen.“ (sa)

Mehr als 150 Interessierte aus verschiedenen produzierenden Gewerben füllten zum 10. Maschinenbautag das Comcenter in Erfurt. Vorn: Andreas Patschger | Foto: Sandra Böhm

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